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„Wenn man die Gsterreicher am Kriege halten will, muß manängstlich vermeiden, über die Möglichkeit einer Verständigung mitItalien zu sprechen. Der Krieg gegen Italien ist populär bis in dieniedersten Volksschichten. Das siegreiche Durchhalten gegen Italien ist die Freude und Hoffnung der Gsterreicher.
Deshalb hat der Umstand, daß Fürst Bülow zeitweilig seinenAufenthalt in Luzern genommen hat, einen Argwohn in weiten Kreisenhier hervorgerufen. Selbst in den Ministerien hegte man den Ver-dacht, daß Fürst Bülow in Luzern inoffiziell mit Italien anbandelnund dann von Berlin aus eine Bewegung wieder einsetzen würde, dieauf einen Separatfrieden mit Italien unter Aufopferung des Trentinohinzielte. Man war sichtbar erfreut und befreit, als ich in der Lagewar, den Herren hier darzulegen, daß der Fürst, der Villa Malta be-raubt, in außerordentlicher Verlegenheit wegen eines passenden Winter-aufenthaltes gewesen ist. Man hörte mit besonderer Genugtuung, daßich aus dem Munde des Fürsten selbst wußte, daß er keinerlei offiziellenAuftrag gehabt habe und keinerlei Verhandlungen geführt habe.
Besonders stolz ist man hier auf die Leistungen am Äsonzo, aberman bezweifelt doch die Möglichkeit einer erfolgreichen österreichischenGffensive. Man hält eigentlich das österreichische Kriegsziel für er-reicht, und der alte Kaiser hat sich über die Situation der Frau KathiSchratt gegenüber dahin ausgesprochen, daß es in dem Kriege so ginge,wie die Frau Schratt es beim Tarokspiel erleben müsse, nämlich daßderjenige, der gewonnen hat, nicht ruhig und zufrieden nach Hausegehen könne, weil die Verlierenden ihn am Spiel halten und ihreRevanche haben wollen. Zuerst hätte die Partie günstig für die Feindegestanden: die Russen hätten Ealizien gewonnen, die Serben Gsterreichdie Niederlage in Belgrad bereitet, und die Franzosen in dem Marne -Rückzug einen erheblichen Erfolg gesehen. Heute seien Deutschland und Gsterreich diejenigen, welche in großem Vorteil seien, und deshalbwill man von einer Abrechnung noch nichts wissen.
Wenn dieser aus dem Lieblingsspiel des hohen alten Herrn herüber-