Druckschrift 
Albert Ballin / Bernhard Huldermann
Entstehung
Seite
345
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Wirtschaftsstaates oder eines mitteleuropäischen Wirtschaftsbundes be-friedigen zu können.

Ich sage Ihnen das nicht, weil ich der Leiter des größten deutschen Schiffahrtsunternehmens bin, sondern ich sage es Ihnen mit der Ab-geklärtheit eines Mannes, der die Hoffnung hat, nach diesem schrecklichenKriege sich still ins Privatleben zurückziehen zu dürfen. Eine Lebens-arbeit kann man nur einmal leisten, und man kann mit 60 Jahren nichtnoch einmal wieder von vorn anfangen.

Der Kanzler ist mit dem Kriege ganz außerordentlich gewachsen; erhat es gelernt, mit einer erstaunlichen Frische und Wucht Verant-wortungen auf seine Schultern zu nehmen, denen er früher, wie ichglaube, ausgewichen sein würde. Umso bedauerlicher ist es. daß diekonservative Partei ihm unfreundlich gesonnen ist. Man schiebt ihmauch die Schuld dafür zu, daß der Kaiser sich so sehr abschließt und indieser für das Deutsche Reich schicksalsschweren Zeit nicht ab und zuführende Lerne aus dem deutschen politischen und wirtschaftlichen Lebenan sich herankommen läßt.

Der Kanzler braucht meines Erachtens, um die ungeheuren Auf-gaben durchzuführen, die ihm noch bevorstehen, eine freundlicheBeeinflussung der konservativen Partei, und ich vermag es nicht ein-zusehen, weshalb der Kaiser Männer wie v. Wangenheim, GrafSchwerin-Löwitz usw. sich nicht gelegentlich ins Haupiquarticr einmalkommen läßt und ihre Sorgen und Wünsche anhört.

Ich kann Ihnen überhaupt nicht verhehlen, daß die Abgeschlossenheitdes Kaisers in der Nation schwer empfunden wird. Ich habe währenddes Krieges nur eine einzige Unterredung mit Exzellenz v. Zalkenhapngehabt und habe diese Unterredung hauptsäch ich herbeigeführt, um ihnzu bitten, seinen Einfluß dahin geltend zu machen, daß in dieser Be-ziehung ein Wandel eintritt. Exzellenz v. Falkenhayn hat mir, trotzdemer nicht ohne Bedenken war, zugesagt, daß er in diesem Sinne wirkenwolle; bei seiner ungeheuren Überlastung ist aber die Lache wohl inVergessenheit geraten/.