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Nicht nur Ballin urteilte übrigens schon Anfang 1916 soüber die vernichtenden Folgen eines Eintritts Amerikas in denKrieg gegen uns, auch andere politisch geschulte Köpfe tatendas, wenn auch nur einzelne. Als ein solches Arteil gebe ichhier noch Stellen aus zwei an Ballin gerichteten Briefeneines deutschen Diplomaten wieder.
»16. Februar 1916. Meine Hauptbefürchtung liegt auf reinpolitischem Gebiete. Wenn es auch jetzt den Anschein hat, daß wirdiesmal noch mit Amerika friedlich schiedlich auseinander kommen, soist doch kein Zweifel, daß die Lage manchmal sehr gespannt war, undeine falsche Bewegung im kritischen Moment Amerika gegen uns unterdie Waffen hätte rufen können. Diese Gefahr halte ich noch keines-wegs für beseitigt, und ich schätze sie im Gegensatz zu dem, was an-scheinend bei uns viele denken, ganz ungeheuer hoch ein. Wer wieich gesehen hat, wie das geheime Zdeal der ganzen englischen Politikeine Allianz und ein dauerndes Zusammengehen mit Amerika gebildethat, der wird in einem englisch -amerikanischen Zusammengehen in diesemKriege eine schwere dauernde Belastung unserer ganzen Zukunft er-blicken müssen. Sie kennen England ja auch ganz genau und wissen,daß das Ententesystem, was im Augenblick, wo es seinen Höhepunktüberschritten hatte, durch den Lauf der Ereignisse ein Bündnissystemgeworden ist, den Engländern immer von Herzen unsympathisch war;je weitblickender die einzelnen waren, desto mehr. Mit den Franzosenbestand noch einige, wenn auch etwas künstlich empfundene Sympathie.Den einzelnen Franzosen empfand man meistens grotesk und etwaslächerlich. Aber Rußland gegenüber ist nie ein anderes Gefühl alsdas eisiger Kühle und Abneigung vorhanden gewesen. Also reineFreude an den sogenannten Genossen hat man nie gehabt.
Hingegen ist die Sehnsucht nach einem festen Verhältnis mit denAngelsachsen auf der großen Änsel jenseits des Atlantischen Gzeansstets der Traum aller wirklich weitblickenden englischen Politiker ge-