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wesen. Durch diese Allianz hoffte man das ehrwürdige, aber auchetwas morsche Gebäude des Vereinigten Königreiches für viele Gene-rationen hinaus zu unterfangen und zu stützen. Rein maritim gesprochenist diese Allianz von überwältigender Kraft. Gegen die beiden Mächtezusammen einmal das Szepter der Leeherrschaft zu erringen, halte ichfür unser Reich, das stets auch mit schweren kontinentalen Bedrohungenzu rechnen haben wird, für vollkommen ausgeschlossen. Eine Liga derbeiden, um uns als Handelsmacht, Seemacht und Kontinentalmacht nichtaufkommen zu lassen, würde meines Erachtens Deutschland wahrschein-lich in die Schranken rein kontinentaler Politik zurückzwingen, aus denenes gerade seit dem Regierungsantritt unseres Kaisers so glücklich her-vorzutreten begonnen hat.
Dieses englisch -amerikanische Zusammengehen zu vermeiden, halteich für unsere höchste Aufgabe. Dieses durch irgend eine Unvorsichtig-keit unsererseits heraufzubeschwören, oder auch näher zu rücken, für diegrößte Sünde gegen Deutschlands Zukunft, die einer begehen kann.
Zerstören wir so viel feindliche Tonnage als möglich, werfen wirMinen und führen den Ubootkrieg, wie er jetzt eine ganze Weile ge-führt worden ist — meinetwegen schärfer, aber die Leute, die an derSpitze der Bewegung stehen, müssen sich ihrer ungeheuren Verant-wortung bewußt sein. Wenn an den oberen Stellen leichten Herzensvon einem Kriege mit Amerika gesprochen wird, als handle es sich etwaum Montenegro oder Lan Marino, so scheint mir darin eine ungeheureGefahr zu liegen. Gelingt es den Engländern, was sie mit allenKräften und mit dem Aufgebot ihrer ganzen Schlauheit versuchenwerden, etwaige deutsche Fehler so auszubeuten, daß die Beziehungenzu Amerika wieder sehr gespannt werden oder zum Abbruch treiben,so glaube ich nicht, daß wir diesen Krieg erfolgreich und mit Nutzen fürunsere zukünftige Entwicklung beenden können?
»Berlin , 26. Zebr. tSt6. Ich bin seit den zwei Tagen, die ichhier bin, tief deprimiert, zu sehen, wie dieses brave deutsche Volk einemneuen Abgrund entgegengetrieben wird, von fanatisierten Leuten,