Druckschrift 
Albert Ballin / Bernhard Huldermann
Entstehung
Seite
349
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Wie die Dinge heute liegen, kann Frieden Wetzen nur England undRußland. Frankreich und Italien müssen wir wohl oder übel alsenglische Vasallen betrachten.

Da sowohl das Londoner wie das Petersburger Kabinett unserenkundgegebenen Friedensneigungen gegenüber in absoluter Negation ver»harrt, bleibt nur die Niederringung des einen oder des anderen Haupt-gegners übrig, Rußland oder England .

England hätten wir niederringen können, wenn wir mindestensZOO vollwertige Unterseeboote besessen hätten. Wir hätten dann auchden Krieg mit Amerika nicht zu scheuen gehabt.

Leibst wenn wir im Herbst, wie Optimisten glauben, 150 voll-wertige Uboote besitzen, können wir England doch nicht töilich treffenund gleichzeitig Amerika trotzen. Es bleibt sür uns also als Kriegszicldie Niederringung des anderen selbständigen Hauptgegners: Rußland.

Rußland ist schon schwer getroffen durch die Wegnahme des polnischenIndustriegebietes. Hätte man dort alle Kräfte weiter angespannt unddas wirtschaftliche Herz Rußlands, das heilige Kiew erobert, so würdedem Zaren nichts übrig geblieben sein, als einen Sonderfrieden mituns zu schließen, und die rumänische Frage wäre damit auch glücklichgelöst.

Weniger sicher, aber wohl leichter, hätte man den Frieden auf demWege nach Petersburg finden können. Was hat man start dessengetan? Man hat sich verzettelt. Man hat den Osten entblößt; Falkenhapnwollte in 14 Tagen Verdun haben, dann Ostern, dann Pfingsten.Alle Truppen wurden dorthin gezogen, Ströme von Blut fließen, undjetzt im Juli stehen wir noch vor Verdun . Und was haben wir mitVerdun ? Hinter dieser Festung finden wir nur neue und weitereformidable Linien.

Inzwischen hatten die lieben Österreicher alle guten Führer undTruppen nach Tirol geführt und ließen nur Schund und schlechteGeneräle an gefährlichsten Punkten. Ergebnis in Italien : AnständigerRückzug sür Lalandra nnd deutsch -feindliches Koalitionsministerium