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und ich kann nur herzlich bedauern, daß ich Ihnen nichts berichtenkonnte, worüber man sich wirklich freuen könnte?
Noch viel ernster klingt der folgende Brief aus dem Sep-tember 1916:
»Ich danke Ihnen vielmals für Ähren freundlichen Brief vomgestrigen Tage. Alles, was Sie schreiben, stimmt mit meinen An-sichten vollkommen überein.
Mit Ihnen teile ich das Gefühl, daß es Hindenburg undLudendorff ergeht, wie es so oft die großen Arzte erfahren, näm-lich, daß sie zu spät ans Krankenbett gerufen werden. Es bedurfteerst zweier Kriegserklärungen innerhalb von 24 Stunden, um diesenWandel, den das ganze deutsche Volk feit Jahr und Tag herbeisehnte,zu vollziehen. Das ist der schwere Vorwurf, der gegen den Kanzlererhoben wird und der ihn an erster Stelle mit verantwortlich macht fürdas Geschick, das uns treffen wird, daß er nicht schon vor langer Zeitden Mut gehabt hat, die Berufung dieser beiden Männer und die Ent-fernung Zalckenhayns durchzusetzen, und zu gehen, wenn er auf eineAblehnung gestoßen wäre. Ich habe seit langem immer wieder aufdie Notwendigkeit hingewiesen, den Schwerpunkt der Aktion nach demGsten zu verlegen und klare Personalverhältnisse zu schaffen.
Der Kanzler hält seinen Posten, weil er das Gefühl hat, es fehltein besserer Nachfolger für die Leitung des deutschen Geschickes. Daserinnert mich an jenen alten Vorsitzenden der Handelskammer inBerlin, der weder sterben noch seinen Posten als Handelskammer-präsident räumen wollte und auf seinem neunzigsten Geburtstageden Gratulanten klagte, daß er trotz seines hohen Alters immer nochin der Handelskammer ausharren müßte, weil er keinen besserenMann sähe.
Es ist sehr traurig, daß es soweit hat kommen können, und dieinnerpolitische Situation ist meiner Ansicht nach unhaltbar.In Deutschland während eines Krieges gegen die mit der Mehrheit dernationalliberalen Partei verbündeten Konservativen und Schwer-