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industriellen kämpfen zu müssen, ist für die glückliche Durchführung derGeschäfte eines Reichskanzlers ganz unmöglich.
Der Kaiser ist und bleibt meiner Anficht nach, auch nachFalckenhayns Abgang, von einer chinesischen Mauer umgeben. Eswird niemand an ihn herangelassen, der über die Vorgeschichte diesesKrieges orientiert ist und ihm im Interesse seiner Person und seinerDynastie einmal die Wahrheit sagen würde. Wir haben eine Kabinetts-Regierung. Es wäre zweifellos doch das richtigste, das Hauptquartiernach Berlin zu verlegen; aber es regen sich jetzt natürlich schon dieGeister, welche ihre Ltimme dagegen erheben, unter dem Vorwande,daß fremde Einflüsse in die Geschäftsleilung hineingetragen werdenkönnten.
Wie sehr man noch im Nebel ist über den wahren Ltand der Dinge,
merkte ich vor einigen Tagen in Berlin , wo.die entschiedene
Ansicht aussprach, man müsse mehr Wert auf eine große Kriegs-entschädigung legen als aus Annexionen. Wenn die Männer um denKaiser heute noch für uns mit dem Eingang großer Kriegsentschädigungenrechnen, so zeugt das doch von einer völligen Verkennung der Lage.
Ich habe das Gefühl, daß die gegenwärtigen Kabinette, soweit sienoch von Männern besetzt sind, die durch den Kriegsausbruch kompro-mittiert sind, keinen Frieden herbeiführen können. Wie sollen Leutewie Bethmann, Asquith und Drey, die sich im Parlament und in denZeitungen so unglaublich beschimpft haben, sich friedlich wiederzusammensetzen!
Die Frage der neuen Männer ist allerdings eine ungeheuer schwierige.
2n Berlin habe ich während der letzten Tage mehrere der öster-reichischen Herren gesprochen; sie sind apathisch, vollkommen apathisch,leben nur noch für den Tag und raten selbst, daß Deutschland Österreichnicht mehr gestatten soll, hineinzureden in die Leitung der Geschäfte.Ihre Ernährung können sie nur noch bis zum l.März durchführen;dann werden sie von uns und Ungarn abhängen, wobei sie natürlichmit Bezug auf Ungarn kaum eine Hoffnung haben, während sie sich