Druckschrift 
Albert Ballin / Bernhard Huldermann
Entstehung
Seite
353
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darauf verlassen, daß wir gar nicht anders können, als sie vor demVerhungern zu schützen.

Konstantinopel ist nur für wenige Wochen noch versorgt. DiePetroleumfrage hier ist eine sehr ernste. Man kann wohl auf demplatten Lande die Leute veranlassen, mit den Hühnern zu Bett zu gehen,aber die Arbeiter in den Großstädten werden auf künstliches Licht nichtverzichten wollen. Wir hatten hier schon wegen Zeitmangels lebhafteKrawalle.

Ich fürchte, daß England darauf ausgeht, die Situation so zu ge-stalten, daß es den kleinen neutralen Staaten bald sagen kann, daßeine Neutralität in Europa nicht mehr gestattet wird, und daß sie sichentschließen müssen, in das eine oder in das andere Syndikat einzutreten.2ch weiß Ihnen also nichts zu sagen, was auch nur entfernt die Be-deutung einer Beruhigung hätte. Meine Sorge ist riesengroß!"

2m Gegensatz zu der in diesen Briefen wiedergegebenenAuffassung waren die in Deutschland maßgebenden Kreise zujener Zeit der Anschauung, daß nur eine rücksichtslose Gewalt,anwendung gegenüber England , also der uneingeschränkteUboot krieg, den Weltkrieg mit einem Erfolg für uns be-enden könne. Die Agitation, die damals für diese Maßnahmebetrieben wurde, ist wohl noch in der Erinnerung. EinenVorwurf kann man ihr mindestens nicht ersparen, nämlichden, daß sie mit allen Mitteln bestrebt war, eine gegenteiligeAuffassung nicht zu Wort kommen zu lassen, was bei derscharfen Zensur, der damals jede Äußerung, nicht nur in derÖffentlichkeit, sondern in jedem weiteren Kreise überhaupt,unterlag, nur zu leicht war. Diese Einseitigkeit ging sogarso weit, daß man eine Denkschrift über den Ubootkrieg, die aufVeranlassung des Admiralstabes verfaßt war, einem größerenKreise zugängig machte, um zustimmende Äußerungen dazu zu