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Albert Ballin / Bernhard Huldermann
Entstehung
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Von der Mexiko -Depesche (der Depesche des Auswärtigen Amtesan den Gesandten in Mexiko , die mit ein Grund für den Krieg mitAmerika war. D. V.) sprach er sehr lustig, weil er, ebenso wie ich,meint, daß seit dem Hauptmann von Köpenick kaum etwas Tolleres ge-leistet worden ist. Bülow sagte, daß, wenn ein Lustspieldichter dieZache verwerten wollte, er sicherlich nicht auf den Gedanken kommenkönnte, sie in der modernen Zeit spielen zu lassen, sondern zurückgreifenmüßte auf die Zeit der Allonge-Perrücke."

.Z0. Juli 1917. Herr Oberstleutnant von Voß, (Chef

-es Stabes beim Generalkommando in Mona) telephonierte mit mirmehrfach und besuchte mich auch in der Lache der eventuellen WahlBülows für das Auswärtige Amt. Ich fürchte aber, daß keine Aus-sicht besteht für die Berufung des Fürsten . Der Fürst selbst teilt dieseAnsicht und möchte auch nicht, daß in der Presse für ihn gearbeitet wird."

.14. Zept. 1917. Inzwischen stattete der Kaiser am

19. August Hamburg einen eintägigen Besuch ab. Er kam von Helgo-land und war in rosenfarbigster Stimmung.

Er tat, als ob er mit seinem neuen Kanzler sehr zufrieden sei undwar von einer Siegeszuversicht, die meines Erachtens in den Verhält-nissen absolut nicht begründet ist."

Aus dem September des Jahres 1917 stammt eine Denk-schrift, die Ballin für den neuen Staatssekretär des Reichs-wirtschaftsamtes, Dr. Lchwander, verfaßte. Außer mitpolitischen Fragen beschäftigt er sich darin auch mit wirtschafts-politischen, namentlich auch mit der Frage der Regulierungder Wirtschaft durch staatliche Einflußnahme, die bei den Er-örterungen über die sogenannteÜbergangswirtschaft"eine große Rolle spielte. Diese Frage machte Ballin außer-ordentlich zu schaffen. Ich komme darauf noch zurück undlasse zunächst die Denkschrift folgen: