Druckschrift 
Albert Ballin / Bernhard Huldermann
Entstehung
Seite
394
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nach der Stimmung, die mir obzuwalten schien, brachte ich dannden Rest ganz oder nur teilweise, kurz oder ausführlicher zumVortrug. In der Beurteilung der jeweiligen Atmosphärehabe ich es nach und nach, glaube ich, zu einer ziemlichenVirtuosität gebracht und infolgedessen manche Klippe glücklichumschifft. Ich versuchte dann auch während der Reise undnamentlich der Arlaubszeiten nach solchen Grundsätzen zu ver-fahren, alles unwichtige in Hamburg Zurückzuhalten, nurdafür zu sorgen, daß nichts Wichtiges ungemeldet blieb undjedenfalls niemals das Gefühl des Msgeschaltetseins auf-kommen konnte. Ich hatte denn auch die Genugtuung, daßBallin mir, nach nicht langer Zeit, von einem Arlaub zurück-kehrend, sagte, dies feisein erster wirklicher Arlaub bei derPacketfahrt gewesen". Hatte man sich auf Ballins Gedanken-gang und auf seine Eigenart einmal eingestellt, so war esübrigens nicht so schwer, den richtigen Maßstab Zu finden.Das denkbar Falscheste wäre gewesen, ihm irgendeinen Fehler-oder eine Anterlassung vorzuenthalten. Das hätte sein Ver-trauen sofort und dauernd Zerstört, während es beim umge-kehrten Verfahren immer unerschütterlicher wurzelte. Was er-such nicht liebte, war, vom praktischen Betriebe durch eineMauer bureaukratischer Einrichtungen oder Organisationenabgeschnitten zu werden. Wo eine solche Mauer sich bildete,durchbrach er sie rasch und unerbittlich, und, soweit es bei einemso großen Anternehmen möglich war, hielt er mit allen Zweigenund allen leitenden Persönlichkeiten direkte Fühlung. Ausdiesem Grunde unterließ er es auch nur selten und nur, wenndie Fülle der Geschäfte zu groß war, die Kapitäne, die von