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Fort mit Erzberger! / von Karl Helfferich
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liche Antwort würde den guten Fortgang derFriedensverhandlungen erleichtern." Ja, ersagte weiter:Es wurde lediglich eine präzise Auf-klärung über Belgien verlangt."

Hält man dem den Text der englischen Depesche gegenüber,dann überkommt selbst den Kenner Erzbergerscher Wahrheitsliebeein basses Staunen. Nicht ein Wort bleibt bestehenl Die eng-lische Depesche war nicht nur kein Friedensangebot»sondern nicht einmal eine Friedensanfrage. Siewar nichts als die Ablehnung einer materiellenBeantwortung der Friedensnote des Papstes,verbunden mit dem schlauen Versuch, die Schuld an dieser Ab-lehnung auf die Zentralmächte zu schieben. So war die Er-klärung der Aufrechterhaltung der Antwort derEntentemächte vom 10. Januar 1917 auf denFriedensschritt des Päsidenten Wilson, in derVerhandlungen mit den Zentralmächten von gleich zu gleichhöhnisch abgelehnt, Deutschlands Schuld am Kriege zur Grund-lage des Friedens gemacht und Kriegsziele proklamiert wordenwaren, die dem Erzbergerfrieden so ähnlich sehen wie ein Eidem andern. Und das wagt Herr Erzberger einFriedens-angebot" zu nennen, das durch die Schuld des von den Militärsund der Schwerindustrie beeinflußten Reichskanzlers Michaelisversäumt und unwirksam gemacht worden sei!

Wenn der Reichsminister des Auswärtigen Herr Müllerwirklich geglaubt haben sollte, daß er am 28. Juli den Text derenglischen Depesche verlesen könne, ohne damit das ganze Lügen-gebäude des Herrn Erzberger vom 25. Juli zu zertrümmern,so müßte er ein starkes Vertrauen darauf haben, daß die An-hänger des schwarz-roten Regierungsblockes in der Nationalver-sammlung und im Lande ein Gedächtnis haben, das nicht aufdrei Tage vorhält. In dieser Spekulation hat sich die Reichs-regierung, die ja ihre Anhänger kennen muß, anscheinend nichtgetäuscht.

Trotzdem hielt es das Reichskabinett für angebracht, demaufklärenden Eindruck der englischen Depesche, die unmöglichlänger zurückgehalten werden konnte, durch neue Ablenkungs-und Verdunkelungsversuche entgegenzuwirken. Deshalb mußteder Reichsministerpräsident Bauer als neueEnthüllung" denSchriftwechsel Michaelis-Hindenburg verlesen.

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