— 36 -
graphischer Erlass Sasonoffs an Iswolsky vom 29. Juli abgedruckt(Orangebuch No. 58), und zwar als letztes der vom 29. Juli datier-ten zehn Dokumente, so dass man annehmen kann, dass diesesTelegramm erst am späten Abend des 29. Juli abgeschickt wordenist. In dem Erlass wird Iswolsky beauftragt „d'exprimer au Gou-vernement francais notre sincere reconnaissance pour la declarationque l'Ambassadeur de France m'a faite en son nom en disant quenous pouvons compter entierement sur l'appui de notre alliee, laFrance" (der französischen Regierung unsere aufrichtige Erkennt-lichkeit auszudrücken für die Erklärung, die der französische Bot-schafter mir in deren Namen gemacht hat, dass wir voll und ganzauf die Unterstützung Frankreichs als unseres Bundesgenossen zäh-len dürfen). Sasonoff fügte hinzu: „Dans les circonstances actuellescette declaration nous est particulierement precieuse." (Unter dengegenwärtigen Umständen ist uns diese Erklärung ganz besonderswertvoll.)
Hieraus ergibt sich aiso, dass Frankreich am Abenddes 29. Juli, nicht früher und nicht später, Russland dieausdrückliche und vorbehaltlose Erklärung der Waffen-hilfe abgegeben hat.
Warum nicht früher? Und warum fand Frankreich am 29. Julidie Entschlussfähigkeit zu diesem entscheidenden Schritt?
Der Schlüssel liegt bei
Frankreichs Verhältnis zu England trägt seit 1905 den offi-ziellen Namen der„entente cordiale ". Einvernehmen, nicht Bündnis.Im englischen Parlament haben die für die auswärtige Politik ver-antwortlichen Minister stets erklärt, irgendeine vertragsmässige Bin-dung des herzlichen Einvernehmens zwischen den beiden Nationenexistiere nicht; für England bestehe keinerlei bindende Verpflich-tung; der Entscheidung des Parlaments sei in keiner Weise vorge-griffen.
Heute wissen wir mehr.
Zwischen Sir Edward Grey als Staatssekretär des britischenForeign Office und Herrn Paul Cambon als Botschafter der fran-