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Reden und Aufsätze aus dem Kriege / Helfferich
Entstehung
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Rede zur dritten Kriegsanleihe

vom 20. August 1915.

Meine Herren, nach den Ausführungen Ihres Herrn Bericht-erstatters würde ich auf eine Begründung des Nachtragsetats, derIhnen vorliegt, verzichten können; denn ich glaube, die Sache,die ich hier zu vertreten habe, bedarf in diesem Hause keinerVerteidigung mehr. Wenn ich trotzdem um Ihre Erlaubnis bitte,den neuen Kriegskredit mit einigen Worten erläutern zu dürfen,so tue ich dies, weil ich und wohl im Einklang mit Ihnen das Bedürfnis empfinde, an der Schwelle des zweiten Kriegs-jahres vor diesem hohen Hause, vor dem deutschen Volke, vorden Verbündeten, der neutralen und auch der feindlichen Weltin kurzen Zügen ein Bild zu geben, wie sich im ersten Kriegs-jahr die Finanzlage des Reiches gestaltet hat, und welche Er-wartungen wir berechtigterweise auf die Zukunft setzen dürfen.

Ich gehe gleich in medias res und rekapituliere: bewilligtsind von Ihnen für den Krieg bisher folgende Beträge: zweimal5 Milliarden Mark, einmal im August, das zweite Mal im Dezembervorigen Jahres, dann 10 Milliarden Mark im März dieses Jahres,also zusammen 20 Milliarden Mark. Mit dem Ihnen jetzt vor-liegenden Nachtragskredit wird die Gesamtsumme der für denKrieg erforderlichen Mittel auf den gewaltigen Betrag von 30 Mil-liarden Mark gebracht werden.

Meine Herren, man hat mitunter den Eindruck, dass in diesemKrieg die Welt die Schätzung für grosse Zahlen einigermassenverloren hat. Wir müssen nach anderen Massstäben suchen, undum Ihnen einen solchen Massstab zu geben, darf ich erwähnen,dass die bisher bereits bewilligten 20 Milliarden ungefähr denWert des gesamten deutschen Eisenbahnsystems mit allen An-lagen und allem rollenden Material darstellen. Trotzdem bedarfdieser gewaltige Kredit heute der Auffüllung. Obwohl wir schon