Rede, gehalten vor der amerikanischen Handelskammer,am 6. Januar 1917.
Meine Herren! Gestatten Sie mir, in Beantwortung der freund-lichen Worte Ihres Herrn Vorsitzenden zunächst einem BedauernAusdruck zu geben: dem Bedauern, dass Sie die Antwort von mirhören und nicht von meinem Freunde, dem Staatssekretär desAuswärtigen Amts, der sehr viel besser als ich unserem Dank fürdie herzlichen Worte der Begrüssung Ausdruck gegeben hätte.
Meine Herren I Ich darf mir die Freiheit nehmen, in IhremKreise Deutsch zu sprechen. Unsere Gastgeber, die Herren Mit-glieder der „American Association of Commerce and Trade", sindwohl ausnahmslos seit vielen Jahren bei uns in Deutschland an-sässig. Auch diejenigen unter Ihnen, deren Väter Wiege nicht inDeutschland gestanden hat, sind durch den täglichen Gebrauchder deutschen Sprache vollkommen mächtig. Und Ihr Ehrengast,der amerikanische Botschafter, hat in, den drei Jahren seinerBerliner Tätigkeit sich in bewundernswerter Weise die deutscheSprache angeeignet; nicht nur den äusseren Schall und die kleineMünze der täglichen Redewendungen: er ist — wie jeder, der ihnkennt, bestätigen kann — eingedrungen in den Geist unsererdeutschen Sprache und wird mich, davon bin ich überzeugt, besserverstehen, wenn ich Deutsch zu ihm spreche, als wenn ich ver-suchen wollte, mich in seiner Muttersprache auszudrücken.
Meine Herren I Der Geist der Sprache ist der wichtigsteSchlüssel zum Geist eines Volkes. Und von allen Voraussetzungenfür ein gutes Verhältnis unter den Völkern ist die erste und wich-tigste, dass die Völker sich gegenseitig verstehen lernen: ein