Steuer - Kompromiss.
Rede vom 31. Mai 1916.
Meine Herren, die Steuervorlagen, die die verbündeten Re-gierungen vor einigen Monaten an den Reichstag herangebrachthaben, landen nunmehr im Hafen eines Kompromisses. Ich habeschon in der Kommission ausgesprochen, dass ein ideales Kom-promiss eine contradictio in adjecto ist, dass es ein ideales Kompro-miss überhaupt nicht gibt; denn das Wesen des Kompromissesbesteht eben darin, dass jeder, der dabei beteiligt ist, von seinenIdealen etwas opfern muss. So liegt es auch im vorliegendenFalle. Ich glaube, von den sämtlichen Parteien, die dem Kompro-miss zustimmen, ist nicht eine einzige vorhanden, die in allenPunkten von dem Kompromiss befriedigt ist; und dasselbe kannich auch von den verbündeten Regierungen sagen. Wir hättenuns allerdings eine schönere und idealere Lösung der Steuer-frage, wie sie im gegenwärtigen Augenblicke vor uns gestellt ist,sehr wohl denken können.
Wenn sich aber die verbündeten Regierungen entschlossenhaben, auf dieses Kompromiss einzugehen, wenn sie sich ent-schlossen haben, ein sehr erhebliches Opfer ihrer Ueberzeugungund ihrer einzelstaatlichen Interessen zu bringen, indem sie in bezugauf die Besitzbesteuerung über die ursprüngliche Linie hinaus-gegangen sind, so war für die verbündeten Regierungen der Willebestimmend, die Vorlagen, von deren Notwendigkeit sie durch-drungen sind, zu einer sicheren Annahme zu bringen, und derWille, den Reichstag für die Vorlage in einer möglichsten Ge-schlossenheit zu vereinigen. Diese Geschlossenheit brauchen wirnach innen und brauchen wir nach aussen.
Den verbündeten Regierungen ist der Entschluss, in diesemPunkte nachzugeben und dadurch zum Zustandekommen der Vor-