Ansprache an die Präsidentender Parlamente der verbündeten Länder,
gehalten in Berlin am 22. Januar 1917.
Meine Herren! Gestatten Sie mir, in wenigen Worten derFreude Ausdruck zu geben, dass ich die Herren Präsidenten derVolksvertretungen der verbündeten Länder bei mir begrüssen darf.Meine Freude ist besonders gross, da ich als Staatssekretär desInnern und Stellvertreter des Reichskanzlers nach unserer deutschenRegierungsorganisation den Vorzug habe, in dauernder Fühlungmit unserer Volksvertretung zu arbeiten und da mir aus der täg-lichen Arbeit stets von neuem bewusst wird, was die Volksver-tretung in diesem gewaltigen Volkskrieg für das Durchhalten undSiegen bedeutet und leistet.
Ich sehe ein glückliches Vorzeichen darin, dass die von langerHand geplante Zusammenkunft d(er Herren Präsidenten sich ineinem Augenblick verwirklicht hat, der mehr vielleicht als irgendein anderer seit Kriegsausbruch die verbündeten Völker aufruftzur äussersten Kraflanspannung und zur geschlossenen Einheitin Kampf und Arbeit. Die Antwort der feindlichen Machthaberauf den Friedensvorschlag unserer Staatsoberhäupter ist imdreissigsten Kriegsmonat eine neue Kriegserklärung, die Erklärungeines Vernichtungskrieges bis aufs Messer. Wer Augen hat zusehen und Ohren hat zu hören, der weiss jetzt, welche Stundegeschlagen hat. Unsere Völker haben begriffen, bis zum letztenMann. Unsere Feinde werden begreifen lernen. Wenn sie immernoch sich und der Welt das lächerliche Ammen-Märchen von derMilitärkaste vorerzählen, von der ihr Edelmut unsere Völker be-freien will, — die Zusammenkunft und die herzliche Ueberein-stimmung der ersten Spitzen unserer Volksvertretungen zeigt aller
Helft er idi, Reden und Aufsätze. 22