— 55 —
zähle). Aber Grey blieb bei dem Kabinettsbeschluss. — Dagegenspendete Sir Artur Nicolson, dem Cambon beim Verlassen des Kabi-netts des Staatssekretärs begegnete, einigen Trost: Der Ministerratwerde sich am nächsten Tag wieder versammeln, „et, confiden-tiellement, il m'a fait entendre que le Secretaire d'Etat aux AffairesEtrangeres ne manquerait pas de reprendre la discussion" (und ver-traulich hat er mir zu verstehen gegeben, dass der Staatssekretärdes Auswärtigen nicht verfehlen werde, die Diskussion wieder auf-zunehmen).
Man hat hier kaum nötig, zwischen den Zeilen zu lesen.
Bis zu dem von Nicolson für den nächsten Tag in Aussichtgestellten Ministerrat waren Antworten aus Paris und Berlin aufdie Anfrage Greys wegen der Neutralität Belgiens eingelaufen. Diefranzösische Regierung hatte selbstverständlich mit Emphase dieAchtung der belgischen Neutralität zugesagt. In Berlin dagegenhatte der Staatssekretär des Auswärtigen dem englischen Botschaf-ter erklärt, er müsse erst den Kaiser und Kanzler befragen. "Igathered from what he said that he thought any reply they mightgive could not but disclose a certain ämount of their plan of cam-paign, in the event of war ensuing, and he was therefore verydoubtful whether they would return any answer at all." (Ich ent-nahm aus dem, was er sagte, dass er meint, jede Antwort, die sie(Kaiser und Kanzler) geben könnten, müsse notwendig einen Teildes Feldzugsplans für den Fall eines entstehenden Krieges enthüllen,und er war deshalb sehr zweifelhaft, ob sie überhaupt eine Antwortgeben würden). (Blaubuch No. 122.) Dieser Bericht Goschens istam 31. Juli in Berlin spät abends abgegangen und laut Vermerk imenglischen Blaubuch am 1. August irn Foreign Office eingegangen.
Das englische Echo folgte prompt. Bereits die nächste Nummerdes Blaubuchs (123) enthält eine Mitteilung Greys an Goschen vom1. August, laut welcher Sir Edward dem Fürsten Lichnowsky sagte,die Antwort der deutschen Regierung betreffend die belgische Neu-tralität sei für ihn ein Gegenstand sehr grossen Bedauerns (a matterof very great regret), denn die Neutralität Belgiens berühre dasGefühl Englands (affected the feeling in this country). WennDeutschland zu antworten vermöge, wie Frankreich geantwortethabe, so würde dies wesentlich dazu beitragen, die Aengstlichkeit