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Reden und Aufsätze aus dem Kriege / Helfferich
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Schluss, dass Deutschland in der Lage sein wird, nach Veraus-gabung des Ertrages der Kriegsanleihe den Krieg weitere dreiMonate fortzuführen, ohne gezwungen zu sein, erneut an denMarkt zu appellieren. Die solide Verfassung unseres Kredit- undBankwesens und die ausgezeichnete Vorbereitung der finanziellenMobilmachung gewähren hierfür eine hinreichende Elastizität.

Für einen Krieg, der bis ins nächste Frühjahr hineindauert, ist also der Geldbedarf des Deutschen Reichesgedeckt, während für England die Sorge um die Beschaf-fung der finanziellen Mittel für die Kriegführung weiter-besteht, und während für Frankreich diese Sorge von Tagzu Tag schwerer wird.

Wenn der englische Schatzkanzler in echt britischer Ueber-hebung geprahlt hat, nicht die erste, sondern die letzte Milliardedie natürlich bei England istl werde den Krieg entscheiden,so wird er heute einsehen müssen, dass Deutschland den Eng-ländern zunächst um mehr als 3 Milliarden, den Fran-zosen um mehr als 4 Milliarden voraus ist. Mögen England und Frankreich diesen Vorsprung einholen! Dann werden wir mitaller Ruhe zusehen können, wem die Aufbringung der etwa weiternötigen Milliarden schwerer fällt. Unsere Kriegsanleihe hatuns niemand in der Welt vorgemacht, und niemand wirdsie uns so leicht nachmachen.

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Der gewaltige, nicht nur für das Ausland, sondern auch fürden hoffnungsfreudigsten Deutschen überraschende Erfolg derKriegsanleihe lässt die Frage entstehen: Was hat Deutschland zu dieser, in der Finanzgeschichte einzigartigen Leistungbefähigt?

Die 4y 2 Milliarden Mark sind uns sicherlich nicht als ein Ge-schenk des Himmels in den Schoss gefallen, ebensowenig wieFrankreichs finanzielle Verlegenheit in diesem Krieg ein Produktdes Zufalls ist.

Das Waffenglück hat zweifellos bis zu einem gewissen Grademitgewirkt; sicherlich aber nicht ausschlaggebend, denn die grossenmilitärischen Entscheidungen in diesem Völkerringen sind nochnicht gefallen. Dazu kommt, dass die deutschen Waffenerfolge inFrankreich mit allen Mitteln der Lüge verkleinert worden sind,