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Mammonsknecht, der sich nicht von seinen Ersparnissen trennenkann, ist um kein Haar besser als der Deserteur, der sichseiner Wehrpflicht entzieht. Wie es für das Heer auf jedenArm ankommt, der noch die Büchse spannen kann, so brauchenwir alle die grossen und kleinen Ersparnisse. Niemand darfsich mit der billigen Ausrede oder Redensart entziehen: aufmeine paar Groschen kommt es doch nicht an. Es kommtauf jede Ersparnis an. Das deutsche Volk muss auch in dieserBeziehung leisten, was es irgend leisten kann. Ich wiederhole,auch unser Ruf, der Ruf der finanziellen Kriegsleitung, geht analle, an Gross und Klein, und Schande über jeden, der sich taubsteht!
Das akute Thema der Kriegsanleihe hat mich von dem Reichs-haushaltsetat auf ein weiteres Feld geführt, auf das grosseSchlachtfeld der finanziellen Kriegsführung. Ich möchte sieeinladen, auf diesem Felde mit mir eine rasche Umschau zu halten,eine Umschau, die Sie in den Stand setzen soll, die materiellenOpfer, die das deutsche Volk bringen muss, einzustellen in dengrossen Zusammenhang der finanziellen Kriegsvorgänge, und ichhoffe, dass es mir auf diesem Wege gelingen wird, Ihnen wenig-stens einen gefühlsmässigen Massstab für die finanziellen Grössen-verhältnisse zu geben, die sich der verstandesmässigen Auffassungnahezu entziehen. Vor allem hoffe ich, dass Sie sich überzeugen:wenn jeder seine Pflicht tut, kann uns auch auf diesem Felde derSieg nicht fehlen.
Meine Herren, das Ausland hat lange die Augen vor unseremwirtschaftlichen und finanziellen Wachstum verschlossen. Vorallem die Nationen des alten Reichtums, Frankreich und England ,sahen, bei allem Respekt vor unserer militärischen Macht, aufunsere finanzielle Leistungsfähigkeit mit unverhohlener Gering-schätzung herab. Noch im Jahre 1911, zur Zeit der Marokkokrisis,glaubten die Franzosen , durch die Zurückziehung ihrer Guthaben,deren Umfang sie in phantastischer Weise überschätzten, uns aufdie Knie zwingen zu können. Sie haben uns damit ungewollt dieGelegenheit gegeben, gewissermassen eine Generalprobe unsererfinanziellen Kriegsbereitschaft abzulegen. Die Generalprobe istgünstig für uns ausgefallen; aber die Franzosen haben aus dieser