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es bliebe docb bei einem Versuch mit unzureichenden Mitteln.Das Parlament bat auf Vorschlag der Regierung zwar an sich rechtstattliche Zuschläge zur Einkommensteuer genehmigt, daneben einegewaltige Steuererhöhung auf Bier und einen sehr hohen Extrazollauf Tee. Aber die Aufrechterhaltung der „guten und vornehmenTradition", auf die sich der britische Schatzkanzler gegenüberdem Unterhause berief, ist gleichwohl nur eine äusserliche. Inden früheren Kriegen, sogar in den grossen Kriegen, von denenLloyd George vorhin sprach, in den Kriegen gegen Frankreich zuEnde des 18. und Beginn des 19. Jahrhunderts, die sich über zweiJahrzehnte erstrecken, wurden 40 Prozent der Kriegskosten undmehr durch Steuern aufgebracht. Die Steuern, die England jetztals Kriegssteuern eingeführt hat, stellen, so belastend sie sind,nur einen ganz bescheidenen Bruchteil des Kriegsbudgets dar. IhrBetrag wird für das jetzt laufende Finanzjahr nur auf 15 MillionenPfund geschätzt bei einer Kriegsausgabe von mehr als 440 Mil-lionen Pfund. Der Ertrag der neuen Steuern reicht nicht einmalaus, um den erwarteten Einnahmeausfall und die durch die Kriegs-schuld vermehrte Zinsenlast zu decken. Das Budget für das lau-fende Jahr wird in England vielmehr nur dadurch zum Balancierengebracht, dass die regelmässige Schuldentilgung in Höhe von 3 Mil-lionen Pfund unterdrückt wird; der Betrag, der bisher für Schulden-tilgung ausgeworfen wurde, musste in England zur Balancierungdes Budgets herbeigezogen werden. Im kommenden Finanzjahrwerden die Steuererhöhungen allerdings beträchtlich mehr bringen;aber dann wird auch der Einnahmeausfall und die Zinsenlast derKriegsschuld |so stark gestiegen sein, dass der Mehrbetrag absorbiertwerden wird. Die englischen Kriegssteuern tragen also in Wirk-lichkeit zu den Kriegskosten überhaupt nicht bei, sondern sieerschöpfen sich darin, dass sie ein Loch ausstopfen, das der Kriegin das ordentliche Budget gerissen hat.
Meine Herren, Sie haben gesehen, dass unser Etat für dasablaufende Finanzjahr nicht nur balanciert, sondern voraussicht-lich einen bescheidenen, wenn auch nur rechnungsmässigen Ueber-schuss bringt. Sie haben gesehen, dass unser Budget für daskommende Finanzjahr immerhin, soweit es in solchen Zeiten nochmöglich ist, ein Gleichgewicht in sich trägt, und dies, obwohl wir