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Reden und Aufsätze aus dem Kriege / Helfferich
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der zum Lobe der neuen französischen Anleihe geschrieben war,behauptet, dass nicht ein einziger Deutscher, der auf die deutscheKriegsanleihe gezeichnet habe, vorhanden sei, der das Geld nichtder Darlehnskasse oder seinem Bankier schulde. Aehnliche Be-hauptungen sind vor einigen Wochen aufgestellt worden von demenglischen Handelsminister Mr. Runciman. Dies alles angesichtsder Tatsache, dass der Geisamtbestand der Darlehnskassen anAusleihungen für Kriegsanleihe und andere Zwecke nur etwa 1600Millionen beträgt gegenüber 25ya Milliarden Kriegsanleihe, unddass die für die Kriegsanleihe gewährten Darlehen insgesamt mithinnoch nicht einmal fünf Prozent der Einzahlungen betragen.

Meine Herren, wenn ich auf diesen Punkt hier wieder zurück-komme, so geschieht es nicht etwa, um unsere Gegner zu belehren;das ist aussichtslos, das weiss ich. Wen Gott verderben will, denschlägt er mit Blindheit! Von solchen sachlichen Richtigstellungennimmt weder die feindliche Presse, noch nehmen davon die feind-lichen Staatsmänner Notiz. Ich wiederhole diese Feststellungenhier nur, um Ihnen den Geisteszustand nahezubringen, in demsich die mit uns im Kriege liegenden Völker befinden, dank einesebenso raffinierten wie gewissenlosen Systems der Täuschung,von Regierungen und Presse im Verein in unverantwortlichsterWeise gehandhabt. Ich frage mich jeden Tag, wenn ich die aus-ländischen Zeitungen lese, ob es denn möglich ist, dass Urteilund Verstand durch die in diesem Kriege aufgewühlten Leiden-schaften so furchtbar getrübt werden, und ich nehme daraus Anlasszu der Selbstprüfung, ob wir denn unsererseits bei der Beurteilungder Verhältnisse Unserer Gegner ebenso in die Irre gehen wiedie Gegner bei der Beurteilung unserer Dinge. Aber ich glaube,der Deutsche ist zu objektiv und zu gewissenhaft. Er neigt mehrnach der anderen Seite; er neigt mehr dazu, die Schwierigkeitenbei sich selbst zu Hause zu überschätzen, die Schwierigkeitenbei den anderen zu gering zu veranschlagen. Dass wir damit,meine Herren, nur allzu oft Wasser auf die feindlichen Mühlenleiten, das steht für jeden, der die ausländische Presse verfolgt,ausserhalb jeden Zweifels.

Nun, meine Herren, möchte ich in dem Geiste strenger, leiden-schaftsloser Prüfung hier vor Ihnen darlegen, wie die Kriegs-

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