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Reden und Aufsätze aus dem Kriege / Helfferich
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und der Jugendlichen heute über das Mass hinaus anspannen,das auf die Dauer erträglich ist. Hier handelt es sich also nichtnur darum, Arbeitsplätze für die zurückgekehrten Männer frei-zumachen, sondern auch wieder ein Gleichgewicht in der Ver-teilung d'er Arbeit für Männer und Frauen, für Erwachsene undJugendliche zu schaffen, das der Volksgesundheit zuträglich ist.Ich wiederhole, dass das nicht ohne Härten abgehen wird; denndie Frauen, die sich lan die hohen Löhne und an das selbständigeArbeiten gewöhnt haben, werden sich natürlich nicht immer leichtund freiwillig in die alten Verhältnisse zurückfinden. Auch hierstehen uns also grosse Aufgaben bevor. Natürlich kommt dazuauch die Wiederherstellung unserer Arbeiterschutzgesetzgebung undder Bestimmungen der Gewerbeordnung, die ja jetzt, in der Notdes Krieges, zum Teil aufgehoben worden sind.

Diese Probleme, die wir auf dem Gebiete der Arbeit finden,stehen selbstverständlich in enger Verbindung mit ähnlichen Pro-blemen auf dem Gebiete des Kapitals. Auf diesem Felde werdenwir vor allen Dingen eine rasche und ausgiebige Neubildungbrauchen. Diese Neubildung werden wir nur gewinnen können,einmal durch die höchste Anspannung aller produktiven Kräfte,und dann durch die äusserste Sparsamkeit. Wir haben ja dasSparen im Kriege in jeder Beziehung gelernt. Wir sind uns klardarüber geworden, dass, so rationell wir in Friedenszeiten zjuwirtschaften glaubten, eine Steigerung der Sparsamkeit nicht nurim Verbrauch, sondern auch in der Produktion in einem vor demKriege ganz ungeahnten Masse möglich ist. Um nur ein Beispielzu erwähnen: Wir haben neulich in einem anderen Ausschussvom Schmieröl gesprocheil: es hat sich herausgestellt, dass unserBedarf an Schmieröl einer ausserordentlich starken Reduktionfähig war. Natürlich wird im Kriege auch manche Sparsamkeitgeübt, die im Frieden nicht rationell wäre, z. B. indem, um etwaigerückständige Materialien aufzufangen und zu regenerieren, eingrösserer Arbeitsaufwand gemacht wird als der Arbeitsaufwand,der erforderlich wäre, um diese Stoffe neu zu gewinnen oder sievom Ausland zu beziehen. Die Lehre steht jedenfalls fest, dass.wir im Verbrauch sowohl wie in der Erzeugung wesentlich spar-samer wirtschaften können und sparsamer werden wirtschaften