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Reden und Aufsätze aus dem Kriege / Helfferich
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lendeten 60. Lebensjahre, soweit er nicht zum Dienste in derbewaffneten Macht einberufen ist, ist zum vaterländischen Hilfs-dienst verpflichtet.

Der Begriff des vaterländischen Hilfsdienstes selbst ist um-schrieben in § 2 des Gesetzes. Es ist der Dienst bei Behörden undbehördlichen Einrichtungen, in der Kriegsindustrie, in der Land-wirtschaft, in Betrieben und Beschäftigungen jeder Art, die für dieKriegführung und Volksversorgung unmittelbar oder mittelbar vonBedeutung sind. Meine Herren, ich unterstreiche die Worteun-mittelbar und mittelbar" um zu zeigen, dass der Kreis dessen,was wir als vaterländischen Hilfsdienst ansehen und behandelnwollen, sehr weit gezogen ist. Ich möchte auf Grund von zahl-reichen Anfragen, die an mich herangetreten sind, gleich hiererklären, dass wir den Begriff der Volksversorgung nicht im engenmateriellen Sinne auffassen, sondern dass wir auch geistige Be-dürfnisse mit einbegreifen. Wir sehen zum Beispiel auch in derPresse einen für die Kriegführung und Volksversorgung bedeutungs-vollen Beruf. Dasselbe gilt von der Geistlichkeit und der Lehrer-schaft, dasselbe gilt für die Berufsorganisationen von Arbeitgebernund Arbeitnehmern, die uns in diesem Kriege so vortrefflicheDienste geleistet haben, es gilt für die Organe der sozialen Ver-sicherung und für ärmliche Einrichtungen. Wer in diesem so weitumschriebenen Kreise arbeitet, wird als in der Ausübung seinerHilfsdienstpflicht tätig angesehen; wer es nicht tut, wird durch dasGesetz angehalten, sich eine solche Tätigkeit zu suchen.

Meine Herren, das Gesetz beschränkt sich auf die Männer. DenFrauen wird eine gesetzliche Verpflichtung nicht auferlegt. Ich willdas kurz begründen. Einmal würde die Verwirklichung der all-gemeinen Hilfspflicht, die wir den Männern unter Zurückstellungaller anderen Rücksichten auferlegen können, bei den physischanders organisierten Frauen doch auf gewisse Bedenken und er-hebliche Schwierigkeiten stossen, auf Bedenken, die jedermannohne weiteres klar werden, wenn er die Sache einmal zu Endedurchdenken will. Dann aber liegt die Frage des Bedürfnisses dochbei den Frauen wesentlich anders als bei den Männern. Ich habeIhnen vorhin die Zahlen der Arbeitsnachweise vorgeführt. Siehaben daraus ersehen, dass heute bei den Männern auf 100 offene