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liehen Weise in der Vergangenheit seine Landwirtschaft vernach-lässigt hat, dass England auch während des Krieges bisher nichtdas Nötige getan hat, um nach dieser Richtung hin seine Stellungzu sichern. Er hat davon gesprochen, dass jetzt in sechs Wochengeleistet werden müsse, was eigentlich in dem zweieinhalb Jahrewährenden Kriege hätte geleistet werden sollen. Er hat hinzu-gefügt, dass in England in der Zukunft die Bedeutung der Land-wirtschaft niemals wieder in der Weise verkannt werden dürfe,wie dies in der Vergangenheit geschehen sei.
Meine Herren, das zeigt, von welchen Sorgen drüben unserstärkster und erbitterster Feind erfüllt ist. Die Engländer wissen:die Vorräte, die sie im Lande haben, sind knapp; die Zufuhr-möglichkeiten sind beschränkt durch die schlechte Welternte —die Zahlen brauche ich hier nicht zu nennen; ich habe sie beianderen Gelegenheiten ja ausführlich vorgetragen —; die Zufuhr-möglichkeiten werden weiter beschränkt durch die Tätigkeit unsererU-Boote. In den Monaten Mai und Juni der beiden Jahre 191-4und 1915 — im Jahre 1916 war es auf Grund der guten englischenErnte und der grossen Welternte anders — sind die sichtbarenGetreidevorräte in England heruntergegangen auf einen Bestandvon etwa 2 Millionen Quarter, der für wenig mehr als drei Wochenzur normalen Ernährung der Bevölkerung reicht. Dies möge Ihnenillustrieren, welche Sorgen die Staatsleiter unserer Gegner indiesem Augenblick sich machen müssen, und dies möge Ihnendie Zuversicht rechtfertigen, mit der ich der weiteren Entwick-lung der Dinge auf dem Felde der Ackerscholle entgegensehe.;Das berechtigt uns aber nicht zu irgendeinem Lockerlassen. Auchwenn wir die Hoffnung hegen, dass der Krieg nicht mehr iallzulange dauern wird, so glauben Sie nur das eine nicht — daswäre ein verhängnisvoller Fehler —■, dass Frieden und Brot gleich-bedeutend sind.
Die schlechte Welternte in diesem Jahre ist kein Zufall. DieZufälligkeit der Witterung mag hier und dort dazu beigetragenhaben. Aber wenn die Vereinigten Staaten von einem auf dasandere Jahr einen Rückgang von 26 Millionen auf 16 MillionenTonnen haben, wenn Kanada einen Rückgang von lOVs MillionenTonnen auf 41/3 bis 5 Millionen erlebt, so ist das kein Zufall.