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Reden und Aufsätze aus dem Kriege / Helfferich
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mit allen Mitteln geförderte Margarineeinfuhr nicht entferntwettgemacht.

Auch die Einfuhr von Schmalz Hauptbezugsland die Ver-einigten Staaten lässt unter der Einwirkung der schlechtenamerikanischen Futterernte nach. Der Preis für Schmalz ist inChicago von 15Va Cents Anfang Januar 1917 auf 2ly 2 Cents am25. April gestiegen, die Schweinepreise in derselben Zeit von9,80 auf 15,65 Dollars.

Die schlimmste Verschärfung der Getreidenot ist jedoch fürEngland der geradezu katastrophale Kartoffelmangel. Die Erntein England war die schlechteste seit einem Menschenalter. DieZufuhr ist gänzlich unbedeutend. Captain Bathurst hat am 19.April erklärt, dass in etwa 4 Wochen die Kartoffenvorräte Englands völlig aufgebracht sein würden.

Der volle Ernst der Lage steht heute den englischen Staats-männern vor Augen. Bisher haben sie geglaubt, mit freiwilligerSparsamkeit die Gefahr beschwören zu können. Jetzt sehen siesich zu Zwangsmassnahmen genötigt. Ich glaube, es ist zu spät.

Ich will dabei in Parenthese bemerken, dass es mit derfreiwilligen Sparsamkeit" in England eine eigene Sache ist. Diefreiwillige Sparsamkeit" ist erzwungen durch die Preisbewegungnach oben; die minderbemittelten Konsumenten werden in Eng-land durch die Preisbewegung ausgeschaltet, und diefreiwilligeSparsamkeit" des Konsumenten besteht darin, dass er die Lebens-mittel nicht mehr kaufen kann gerade das, was wir in Deutsch-land durch das System der Rationierung erfreulicherweise ver-mieden haben, ist in England eingetreten. Bei uns spricht manvon Zwang, in England von Freiwilligkeit. Darüber, welches dassozialere und bessere System ist, ist ein Zweifel wohl nicht mög-lich. Ich behaupte, dass unser System nicht nur sozial das bessere,sondern auch das vernünftigere und richtigere ist; denn wir werdenmit unserem System durchkommen, und ob die Engländer durch-kommen, das wird sich erst noch zeigen müssen.

Jedenfalls scheinen die Engländer heute zu der Ansicht ge-kommen zu sein, dass sie mit dieserFreiwilligkeit" nicht weitkommen werden, dass sie vor einer Katastrophe stehen. Die Eng-länder haben sich bisher im wesentlichen auf Massnahmen be-