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Die Währungsfrage : gemeinfaßlich dargestellt / von Karl Helfferich
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Ferner wurden die Handelsbeziehungen und das finanzielle Ver-hältnis zwischen England und Indien dadurch erheblich gestört, daßEngland Goldwährung, Indien Silberwährung hatte, und daß nundie Silberentwertuug bedeutende Verschiebungen in den englisch -indischenWechselkursen hervorrief. Für die indischen Finanzen war das beson-ders mißlich, denn Indien hatte Schulden, welche es sich in Gold zuverzinsen nnd zurückzuzahlen verpflichtet hatte, während seine Einnahmennach wie vor in dem immer mehr sich entwertenden Silber eingingen.

Wie der Wert des indischen Geldes, sank auch das Geld der übrigenSilberwährungsländer gegenüber dem Goldgelbe; es entstanden die sog.Valutadifferenzen", über deren Einfluß wir später sprechen.

Schließlich erfuhr durch den Niedergang des Silberpreises derSilberbergbau eine Schädigung.

In Nordamerika kam zuerst eine starke Bewegung zu gunsten ^!"A>mg'des Silbers zu stände, nicht ohne die kräftige Mitwirkung der an der des iZiib-r-Hebung des Silberpreises interessierten Silberbergwerksbesitzer. Nach i'h^Fws"^langen Unterhandlungen zwischen dem Repräsentantenhaus nnd dem Senatwnrde die sogenannte Bland bill Gesetz (1878), welche zwar nicht dieSilberprägnng freigab, aber den Staat zum Ankauf und zur Ausprägungvon 24 Millionen Silberdollar monatlich verpflichtete. Die Bland-bill blieb bis 1890 in Wirksamkeit, während ihrer Dauer kauften dieVereinigten Staaten mehr als 9 Millionen lvA zum Preise vonmehr als 308 Millionen P (etwa 1235 Millionen Mk.) nn.Die daraus geprägtenStandard-Tollars" waren Zahlungsmittel biszu jedem Betrag, sofern sie nicht in dem Zahlung-Vertrag ausdrücklichausgeschlossen waren, während das Gesetz von 1873 den SilberdollarsZahlungskraft nur bis zum Betrage von 5 K zuerkannt hatte.

Ihren Zweck, die Hebung des Silberpreises, hat die Blnndbill nichterreicht. Der Silberpreis sank von 52"/ie ä. im Durschnitt des I. 1878auf 42"/-° cl, im Durchschnitt des I. 1889 (Londoner Notierung).

Im Jahre des Erlasses der Blandbill beriefen die VereinigtenStaaten eine internationale Münzkonferenz nach Paris , um die freiePrügung für Silber durch internationale Vereinbarung wieder einzu-führen, aber diese Konferenz verlief resultatlos, ebenso die folgendeninternationalen Müuzkoufereuzen, die Pariser von 1881 nnd dieBrüsseler von 1892.

Bis zum Jahre 1890 blieb alles beim Alten, trotzdem sowohl inEuropa als in Amerika eine heftige Agitation znr Einführung derinternationalen Doppelwährung betrieben wnrde. Die deutsche unddie englische Regierung hielten an der Goldwährung fest, nnd dieandern Staaten wollten sich ohne deren Mitwirkung nicht auf ein sogewagtes Experiment einlassen, wie es die Einführung der Doppel-währung ist.

Im Jahre 1890 gelang es den amerikanischen Silbcrleuten, dieVereinigten Staaten noch tiefer in Versuche zur Hebung des Silber-wertes zu stürzen. Im August dieses Jahres wurde die Sherman-