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Das Geldwesen Spaniens seit dem Jahre 1772 / Fritz Rühe
Entstehung
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§ 14. DIE REGULIERUNGEN DES PESETAKURSES DURCH DEN STAAT. 283

Das Finanzministerium hat sich daher auf Vorstellungenbereit finden lassen, anzuordnen, daß am Schalter der Bank vonSpanien zu den vormittags festgesetzten Kursen, welche in derRegel die Börsenschlußkurse des Vortages sind, nur noch Be-träge bis 7500 Frcs. an jeden einzelnen Interessenten direkt ohneBörsenvermittelung verkauft werden.

In der Praxis hat sich aber bisher nicht viel geändert,da mit wenigen Ausnahmen es die Madrider Bankiers nicht verschmähen, ihre Frankenbedürfnisse vormittags bei der Bankvon Spanien in der Weise zu decken, daß sie die benötigtenDevisen in Teilen von je 7500 Fres. auf die Namen ihrerAngestellten oder auf Mittelspersonen lautend kaufen. ¹) Zur1)Abstellung dieser Übelstände hat man sich in neuster Zeitwieder an das Finanzministerium gewandt.

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Eine Lösung dieser Frage könnte man in Spanien wohl leicht darin finden, wenn man das Verhalten der Österreich-ungarischen Bank in den Jahren der Geldteuerung 1906 und1907 nachahmte. 2) Diese machte damals einen Unterschiedzwischen der Devisennachfrage, um regelrechte Schuldver-pflichtungen zu begleichen und solchen der Spekulation, diedarauf hinausliefen, aus der Differenz der Zinssätze im In-und Auslande durch Hinauslegung großer Kapitalien oder ausEffektentransaktionen Nutzen zu ziehen. Sie vermochte dieverschiedenen Zwecke der Devisennachfrage dadurch zu diffe-renzieren, daß den regelrechten Schuldverpflichtungen auch mitDevisen auf Termin gewöhnlich gedient ist, da im internatio-nalen Handelsverkehr Zahlungsverpflichtungen erst nach einergewissen Zeit fällig zu werden pflegen, während Zinsfuß-arbitrageure und Effektenspekulanten stets sofort verwendbareGuthaben im Auslande brauchen. Devisen auf Zeit gab dieÖsterreichisch- ungarische Bank damals leicht ab, prompte De-

1) Ein größeres Bankinstitut soll auf diese Weise an einem Tageca. 3/4 Millionen Franken bei der Bank von Spanien gekauft haben.2) Siehe Walther Federn, Moderne Geldtheorie im österreich- un-garischen Bankprivilegium( in Schmollers Jahrbüchern für Gesetzgebungusw. 35. Jahrg. III. Heft, Seite 354, Leipzig 1911).