Druckschrift 
Die Regulierung der Elbschiffahrt 1819 - 1821 / von Martin Kriele
Entstehung
Seite
32
Einzelbild herunterladen
 

32

II. ABSCHNITT

deutschen Beamtentums; aber die Versuchung der Be-stechung von Seiten der Schiffer wäre eine sehr grossegewesen. Ausserdem besagten die Worte der Regierungs-vertreter, dass für eine Revision ein begründeter Verdachtvorliegen müsse, doch gar nichts. Die preussische Zollpolitik,welche auf die Vereinigung mehrerer Uferstaaten zu einergemeinsamen Revision hinarbeitete, kam daher sofort mitden übrigen Staaten in Confiikt. Es schien fast unmög-lich zu sein, Mecklenburg, Hannover , Anhalt und Sachsenvon der Unmöglichheit ihrer Forderung zu überzeugen.Der handelspolitische Gesichtskreis in den Mittelstaatenwar ein sehr enger. Vor allem sahen es die Uferstaaten,mit einem gewissen Misstrauen gegen Preussen, als einenEhrenpunkt an, Preussen kein Recht einzuräumen, welchesihnen nicht ebenfalls gesichert wäre. 68 ) Preussen sah sichdaher veranlasst, mit Österreich allein zu verhandeln überdie Köpfe der kleinen Staaten hinwegwelche kein erheb-liches Handels- und Gewerbs-Interesse durchzuführen habenund bei denen es nur darauf ankommt, die Zufälligkeit,dass sie Besitzungen an einigen Uferpunkten eines grossenStromes haben, so hoch als möglich zur Beschatzung desHandels und Verkehrs zu benutzen, welchen die grossenLänder treiben. 69 ) (13.17. April 1820 zu Berlin). Öster-reich hatte sich anfangs selbst einem Vorrechte Preussens ,welches Vorschlag, dass die Revision an seiner Grenze, inWittenberge und Mühlberg, allein stattfinden solle, widersetzt,da Fürst Metternich, auch noch später, die Forderung Preussens so aufgefasst hatte, dass es verlangte, dass jedeseinzelne Schiff ohne Ausnahme revidirt werden solle. 70 )Jedenfalls hatte sich die österreichische Regierung die Aus-führung der preussischen Forderung zu streng vorgestellt.In den Berliner Conferenzeu legte Preussen in langer Ver-handlung dar, dass ohne Erledigung der Revisionsfrage aneine weitere Verhandlung nicht zu denken sei. Österreich selbst könne den preussischen Wunsch sehr gut unterstützen,ohne seine eigenen Interessen zu verletzen. Denn damalshatte es noch weit strengere Schutzzollmassregeln für denElbehandel, wie für den Aussenhandel überhaupt 71 ) zum