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III. ABSCHNITT
Kommission ist um so mehr zu bedauern, als ihre Verhand-lungen sehr gründlich waren und bis in die feinen Einzel-heiten des damaligen Verkehrs gingen. Trotz alledem hattendie Kommissionsmitglieder eine zu verschiedene Auffassung,als dass es möglich gewesen wäre, eine Verkehrspolitik zuinaugurieren, welche den oben angedeuteten Änderungenim Verkehrsleben entsprach. Die fünfte Revisionskommission(1863) setzte fest, dass die noch bestehenden Elbzölle inZukunft gemeinschaftlich in Wittenberge erhoben werdensollten; und zwar batten Preussen, Österreich , Sachsen,Anhalt-Dessau-Köthen, Anhalt-Bernburg und Hamburg da-selbst ein „Vereinigtes Elbzollamt“, Hannover, Dänemark und Mecklenburg ein „Gemeinschaftliches Elbzollamt“. DieAnzahl der Zollsätze wurde auf 3 beschränkt: 1. Klasse16 Silberpfennige, 2. Klasse 8 Silberpfennige, 3. Klasse2 Silberpfennige per Centner brutto. Die Gesamtsummeder Einkünfte eines jeden der beiden Ämter wurden unterdie betreffenden Staaten verteilt 190 ); dabei liessen sichMannover, Dänemark, Mecklenburg , Anhalt-Dessau-Köthenund Anhalt - Bernburg gewisse Minimaleinnahmen vonPreussen, Österreich, Sachsen und Hamburg garantieren. 191 )Das Bundesgesetz vom 11. Juni 1870 und der Vertrag mitÖsterreich vom 22. Juni 1870 hoben vom 1. Juli 1870 andie Erhebung des Elbzolles mit Abfindungssummen anMecklenburg-Schwerin und Anhalt auf. 192 )
Gemäss Festsetzung im Jahre 1863 trat im Jahre 1870eine neue (6.) Revisionskommission in Prag zusammen.Nachdem der Hauptgegenstand der bisherigenVerhandlungen,die Zölle, nunmehr erledigt war, hatte sie sich mit derFrage der Stromregulierungsbauten und der Fahrwassertiefeder Elbe zu beschäftigen; auch neue Grundsätze über dieErteilung des Erlaubnisscheines hatte sie aufzustellen. Je-doch wurden ihre Arbeiten durch die politischen Ereignissevon 1870 unterbrochen. 199 ) Aber sie wurden später vomDeutschen Reiche unter der Leitung des ReichskanzlersFürsten Bismarck weitergeführt und beendigt. Nachdemder Entwurf der „Revidierten Elbschiffährtsakte“ die Ge-nehmigung des Bundesrats gefunden hatte, wurde er im