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ANHANG
zu Tage tritt und die Entwicklung von dem einen Rechtzum anderen ganz allmählig geschieht. Daher blieb derAusdruck Stapelrecht in der Umgangssprache bestehen, ob-schon sein Wesen sich bereits geändert hatte; auch in dieSprache der Regierung ging diese Unklarheit über.
Was im achtzehnten und neunzehnten JahrhundertStapelrecht heisst, ist lediglich Umladerecht; eine Ausübungdes Stapelrechtes wäre gar nicht möglich gewesen. Daherhabe ich im Text ausschliesslich die Bezeichnung Umlade-recht oder Umschlagsrecht gebraucht, obgleich die BerlinerAkten und die Magdeburger Kaufleute in den meisten FällenStapelrecht sagen.
An der Elbe wurde das Umladerecht bis zuletzt nochin Hamburg, Magdeburg, Dresden und Pirna ausgeübt. In-dessen ist es wohl wahrscheinlich, dass in früherer Zeiteine grössere Anzahl Stapelrechte bestand; von der böhmi-schen Elbe wissen wir es jedenfalls. 7 )
ln Hamburg wurde der Zwang, welcher in dem Um-laderechte lag, nur so lange empfunden, als die Elbschiffeihre Waren, vornehmlich Korn, welches viele Jahrhundertehindurch bei weitem der Hauptexportartikel auf der Elbe war, auch auf dem freien Meere, beispielsweise in die Nieder-lande, führen. Als Hamburg der Scheidepunkt zwischen derSee- und Flussschiffahrt wurde, hörte der Zwang als solcherauf; denn es fand alsdann dort eo ipso eine Umladung statt.Doch hatte sich bis in das achtzehnte Jahrhundert noch einRest des alten Stapelrechts erhalten , indem selbst damalsnoch für ein bestimmtes Quantum des in Hamburg ankommen-den Korns das Kaufrecht der Hamburger bestand, worüberdie altmärkischen Kornschiffer heftig klagten. 8 )
In Dresden und Pirna hatte das Umladerecht in derletzten Zeit kaum eine Bedeutung, da der böhmische undsächsische Elbhandel seit dem Ende des Mittelalters bis indas neunzehnte Jahrhundert sehr gering Avar. 9 )
Von grosser Bedeutung hingegen war sowohl das Stapel-recht wie das Umladerecht in Magdeburg . Dort standendiese Rechte auf ganz besonders schwachen Füssen . In demFolgenden soll versucht werden, die charakteristischen Punkte