Druckschrift 
Die Regulierung der Elbschiffahrt 1819 - 1821 / von Martin Kriele
Entstehung
Seite
125
Einzelbild herunterladen
 

ANMERKUNGEN

125

In der Sitzung des Magdeburger Schiffer-Vereins am 23. April1894, in welcher die derzeitige wirtschaftliche Lage der Elbschiffahrterörtert wurde, wurde eine Kommission gewählt, welche Vorschlägezur Änderung in den unwirtschaftlichen Verhältnissen der Schiffahrt zumachen hatte. Diese sind im Juni 1894 der Öffentlichkeit übergebenworden; in ihnen heisst es u. a.:Unseren älteren Berufsgenossen, dieschon 25 Jahre oder länger Schiffahrt betrieben haben, wird die Er-innerung noch wach im Gedächtnis sein, welchen verhältnismässig ge-ringen Umfang zu jener Zeit die Schiffahrt im Allgemeinen und besondersdie Dampfschiffahrt im Vergleich zur heutigen Zeit hatte. Der damaligeSchiffer verkehrte ausschliesslich direkt mit dem Kaufmann bezw. demVerfrachter und schloss mit diesem selbständig seine Geschäfte ab. Dieneueren Zeiten, in welchen sich eine erhebliche Dampfkraft entfaltete,haben in diese althergebrachten Ilandelsverhältnisse eine Änderunginsofern hineingetragen, indem sie den Schiffer vom Kaufmann abge-drängt haben und denselben nach und nach von den selbständig Frachtenabschliessenden Dampfschiffahrtsgesellschaften, von Spediteuren undsonstigen Frachtvermittlern abhängig machten. Solange die freie Kon-kurrenz der Dampfschiff'ahrten und der Schiffer unter einander keinezu grosse war, hat der Schiffer hierbei sein Auskommen gefunden, wo-für die Vermehrung und Vergrösserung des Schiffsparkcs der besteBeweis ist. Mit der Zeit ist es anders geworden. Grosse, kräftigeDampfer und mit einem bedeutenden Fassungsvermögen ausgestatteteFrachtschiffe sind in so grosser Menge entstanden, dass namentlich beieinem längere Zeit anhaltenden hohen Wasserstande der bestehendeSchiffspark sich nicht mehr im richtigen Verhältnis zu dem zur Ver-frachtung gelangenden Güterquantum befindet. Durch das zeitweiligeMissverhältnis zwischen Baum und Ladung ist zum Nachteil der Schiff-fahrt. eine scharfe Konkurrenz zu Tage getreten, welche in einer sofühlbaren Härte, wie sie jetzt schon längere Zeit besteht, noch niemalsdagewesen ist, eine Konkurrenz, die es zum Teil zu Wege bringt, dassder Schiffer in vielen Fällen kaum seine Betriebskosten deckt, ganzabgesehen von den Kosten der notwendigen Reparaturen, der Amorti-sation und dem sonstigen Äufwande, der in den dem Schiffahrtsgeschäfteigenen Gefahren seine Begründung findet, und die Beispiele stehennicht vereinzelt da, dass, wenn das Schiff 1 abgewirtschaftet, oft auchsein Besitzer trotz seiner geringen Ansprüche an das Leben an denBettelstab gebracht worden ist. Im Berggeschäft sind es vorzugsweisedie Dampfschiffahrten, welche in erster Linie den Sturz der Frachtenherbeigeführt haben. Es ergiebt sich dies aus der Zwangslage, inweicher sie sich befinden, Beschäftigung für ihre Dampfer zu bekommen,und zu fabelhaft billigen Preisen wird jedes Quantum, das au der Ham-burger Börse zum Ausgebot gelangt, von diesen geschlossen. Wennsich diese Abschlüsse allein auf Loco-Partieen bezögen, möchte es janoch angehen, so aber werden auf Basis dieser unrentabelen Frühjnhrs-raten auf weite Sichten hinaus Verpflichtungen eingegangen und wie