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Das landschaftliche Kreditwesen Preussens : agrargeschichtlich und volkswirtschaftlich betrachtet ; ein Beitrag zur Geschichte der Bodenkreditpolitik des Preussischen Staates / von Hermann Mauer
Entstehung
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150 III. LANDSCHAFTL. KREDITWESEN UND BÄUERLICHER GRUNDBESITZ.

Von wesentlicher Bedeutung für die Ausbreitung desLandschaftskredits waren weiterhin die Beschlüsse des General-landtages von 1898, durch welche die Beleihung nach dem15 fachen Grundsteuerreinertrag und die Wertschätzung ohneGrund- und Bodentaxe bis zum dreißigfachen Grundsteuerrein-ertrag, sowie bis zur Hälfte des Erwerbswertes eingeführt wurde.Die Landschaft war dadurch in die Lage versetzt, ein unerwartethervortretendes nicht allzugroßes Geldbedürfnis ohne vorherigezeitraubende Taxation alsbald befriedigen zu können.

Des Weitern wurden die Taxkosten bei Gütern unter 50 ha,die derselben Gemeinde angehörten, ermäßigt, wenn die Taxen imAnschluß aneinander zur Aufnahme gelangte, d. h. sogenannteDorftaxen angefertigt werden konnten. Bis zum Jahre 1905wurden bereits 390 Dorftaxen aufgenommen.

Seit 1904 gewährt die Landschaft auch den Besitzern vonGütern unter 100 ha für die Taxkosten einen Vorschuß der nachAufnahme des Darlehens in Baten zurückerstattet wird. Im Jahre1903 gelangte eine Druckschrift:Der landschaftliche Kredit undseine Benutzung im Bezirke der Ostpreußischen Landschaft inden Kreisen der Interessenten zur Verbreitung und wurde auchvielfach zum Gegenstand von Vorträgen in den landwirtschaft-lichen Vereinen gemacht. Ganz besonders dem Interesse derkleineren geschäftsunkundigen Bauern entspricht die neuerdingsversuchsweise eingeführte Beschaffung der Taxunterlagen. Dennhierfür haben bisher vielfach die kleineren Besitzer oft teuer zubezahlende Hilfe von Winkelkonsulenten in Anspruch genommen.Jetzt hat der Besitzer der Landschaft nur den Antrag auf Be-schaffung der Taxunterlagen zu unterschreiben, die erforderlichenAngaben über das abzuschätzende Grundstück zu machen undder Landschaft einen später zu verrechnenden Kostenvorschußvon 25 Mark einzusenden.

Schließlich sei noch die im Juli 1905 erfolgte Einrichtungeiner Geschäftsstelle der landschaftlichen Bank in Allenstein er-wähnt. Sie wurde gegründet, um den im Süden des Landschafts-bezirkes wohnenden ländlichen Grundbesitzern den Verkehr mitder Landschaft zu erleichtern. Sie ist in der kurzen Zeit ihres