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Immanuel Kants Logik : ein Handbuch zu Vorlesungen / [Hrsg.: Gottlob Benjamin Jäsche]
Entstehung
Seite
8
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Einleitung.

Dadurch, daß die Logik als eine Wissenschafts priori, oder als eine Doctrin für einen Canon desVerstandes!- und Vcrnunftgebrauchs zu halten ist, un-terscheidet sie sich wesentlich von der Aesthetik, dieals bloße Crilik des Geschmacks leinen Canon(Gesetz), sondern nur eine Norm (Muster oder Richt«schnür bloß zur Beurtheilung) hat, welche in der all-gemeinen Einstimmung besteht. Die Aesthetik lumlich ent-halt die Regeln der Uebereinstimmung des Erkenntnissesmit den Gesetzen der Sinnlichkeit; die Logik dagegen dieRegeln der Uebereinstimmung des Erkenntnisses mit denGesetzen des Verstandes und der Vernunft. Jene hatnur empiri/che Principien und kann also nie Wissenschaftvdcr Doctrin seyn, wofern man unter Doctrin einedogmatische Unterweisung aus Principien s priori ver-steht, wo man alles durch den Verstand ohne ander-weitige von der Erfahrung erhaltene Belehrungen ein-sieht, und die nns Regeln giebt, deren Befolgung dieverlangte Vollkommenheit verschafft.

Manche, besonders Redner und Dichter habenversucht, über den Geschmack zu vernünfteln, aber niehaben sie ein entscheidendes Urtheil darüber fällen kön-nen. Der Philosoph Baum garten in Frankfurt hatte den Plan zu einer Aesthetik, als Wissenschaft, ge-macht. Allein richtiger hat Homedie Aesthetik, Cri-tik genannt, da sie keine Regeln » priori giebt, diedas Urtheil hinreichend bestimmen, wie die Logik, son-dern ihre Regckn s pvü^iori hernimmt, nnd die empi-rischen

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