Einleitung.
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uigfaltige dieser und andrer Merkmahle deS Schonennicht auseinandersetzen: so ist unser Begriff davon dochimmer noch undeutlich.
Die undeutliche Vorstellung nennen WolffSSchüler eine verworrene. Allein dieser Ausdruckist nicht passend, weil das Gegentheil von Verwirrungnicht Deutlichkeit, sondern Ordnung ist. Zwar istDeutlichkeit eine Wirkung der Ordnung, und Undeut-lichkeit eine Wirkung der Verwirrung,- und es ist alsojede verworrene Erkenntniß auch eine undeutliche. AberdcrSatz gilt nicht umgekehrt; — nicht alle undeutlicheErkenntniß ist eine verworrene. Denn bey Erkenntnis,sen, in denen kein Mannigfaltiges vorhanden ist, fin-det keine Ordnung, aber auch keine Verwirrung statt.
Diese Bewandtniß hat es mit allen einfachenVorstellungen, die nie deutlich werden; nicht, weil inihnen Verwirrung, sondern weil in ihnen kein Mannig-faltiges anzutreffen ist. Man muß sie daher undeut-lich, aber nicht verworren nennen.
Und auch selbst bey den zusammengesetzten Vor-stcllungen, in denen sich ein Mannigfaltiges von Merk»mahlen unterscheiden laßt, rührt die Undeutlichkcit oftnicht her von Verwirrung, sondern von Schwachedes Bewußtseyns. Es kann nemlich etwas deut-lich seyn der Fo rm nach ; d. h. ich kann mir des Man-nigfaltigen in der Vorstellung bewußt seyn; aber derMaterie nach kann die Deutlichkeit abnehmen, wenn
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