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Immanuel Kants Logik : ein Handbuch zu Vorlesungen / [Hrsg.: Gottlob Benjamin Jäsche]
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Einleitung.

Aüf den hier angegebenen Unterschied zwischenintuitiven und discursivcn Erkenntnissen, oderzwischen Anschauungen und Begriffen gründet sich dieVerschiedenheit der ästhetischen und der logischcnVollkommenheit des Erkenntnisses.

Ein Erkenntniß kann vollkommen seyn, entwedernach Gesetzen der Sinnlichkeit, oder nach Gesetzen desVerstandes; im ersternFalle ist es ästhetisch, im an-dern logisch vollkommen. Beyde, die ästhetische unddie logische Vollkommenheit, sind also von verschiede-ner Art.- die erstere bezieht sich auf die Sinnlich-keit, die letztere, auf den Verstand. Die logischeVollkommenheit des Erkenntnisses beruht auf seinerUebereinstimmung mit dem Objecte; also auf allge-meingültige» Gesetzen, und lasst sich mithin auchnach Normen » priori beurtheilen. Die ästhetische Voll-kommenheit besteht in der Uebereinstimmung des Er-kenntnisses mit dem Subjecte, und gründet sich auf diebesondre Sinnlichkeit des Menschen. Es finden daher-. bey der ästhetischen Vollkommenheit keine objectiv. undallgemeingültigen Gesetze statt, in Beziehung aufwelche sie sich » xriori auf eine für alle denkende Wesenüberhaupt allgemeingeltende Weise beurtheilen ließe.So fern es indessen auch allgemeine Gesetze der Sinn-lichkeit giebt, die, obgleich nicht objectiv und für alledenkende Wesen überhaupt, doch subjectiv für die ge»fammte Menschheit Gültigkeit haben: läßt sich auch eineästhetische Vollkommenheit denken, die den Grund eines

sub.