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Immanuel Kants Logik : ein Handbuch zu Vorlesungen / [Hrsg.: Gottlob Benjamin Jäsche]
Entstehung
Seite
48
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4Z Einleitung.

Denn Reiz und Rührung können die logische Vollkom-menheit in unsern Erkenntnissen und Urtheilen am mei-sten verderben.

Ucbcrhaupt bleibt wohl freylich zwischen der asthe.tischen und der logischen Vollkommenheit unsers Er-kenntnisses immer eine Art von Widerstreit, der nichtvöllig gehoben werden kann. Der Verstand will be-lehrt, die Sinnlichkeit belebt seyn; der erste begehrtEinstellt, die zweyte, Faßlichkeit. Sollen Erkennruisseunterrichten: so müssen sie in so ferne gründlich seyn;sollen sie zugleich unterhalten, so müssen fie auch schonseyn. Ist ein Vortrag schon, aber seicht, so kann ernur der Sinnlichkeit, aber nicht dem Verstände; ist ccumgekehrt grünblich, aber trocken nur dem Ver-stände, aber nicht auch der Sinnlichkeit gefallen.

Da es indessen das Bedürfniß der menschlichenNatur und der Zweck der Popularität des Erkenntnis-ses erfordert, daß wir beyde Vollkommenheiten miteinander zu vereinigen suchen: so müssen wir es unsauch angelegen seyn lassen, denjenigen Erkenntnissen,die überhaupt einer ästhetischen Vollkommenheit fähigfind, dieselbe zu verschaffen und eine schulgcrechte, lo»gisch vollkommene Erkenntniß durch die ästhetische Formpopulär zu machen. Bey diesem Bestreben, die ästhe«tische mit der logischen Vollkommenheit in unsern Er«kenntnissen zu verbinden, müssen wir aber folgende Re«geln nicht aus der Acht lassen; nemlich t) daß die

logische