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Immanuel Kants Logik : ein Handbuch zu Vorlesungen / [Hrsg.: Gottlob Benjamin Jäsche]
Entstehung
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Einleitung.

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mit den Gränzen der gesammten menschlichen Vollkom-menheit überhaupt zu verstehen. Und hier ist also dieFrage: Was kann der Mensch als Mensch überhauptwissen?

Die Bestimmung des Privat - Horizonts hangt abvon mancherley empirischen Bedingungen und speciellenRücksichten, z, B. des Alters, des Geschlechts, Stau«des, der Lebensart u. dgl. m. Jede besondre Klassevon Menschen hat also in Beziehung auf ihre speciellenErkenntnißkräfte, Zwecke und Standpunkte, ihren be-sondern,- jeder Kopf nach Maaßgabe der Indivi-dualität seiner Kräfte und seines Standpunktes, seineneigenen Horizont. Endlich können wir uns auch nocheinen Horizont der gesunden Vernunft und einenHorizont der Wi ssenschaft denken, welcher letzterenoch Principien bedarf, um nach denselben zu be-stimmen : was wir wissen und nicht wissci;können.

Was wir nicht wissen können, ist ü b e r unser«Horizont; was wir nicht wissen d ürfcn oder nicht zuwissen brauchen, ausser unserm Horizonte. Diesesletztere kann jedoch nur relativ gelten in Beziehungauf diese oder jene besondre Privatzwecke, zu-deren Er-reichung gewisse Erkenntnisse nicht nur nichts beytra-gen , sondern ihr sogar hinderlich seyn konnten. Dennschlechthin und in aller Absicht unnütz und unbrauch-bar ist doch kein Erkenntniß, ob wir gleich seinen Nuz-zcn nicht immer einsehe» können. ES ist daher ein

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