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Immanuel Kants Logik : ein Handbuch zu Vorlesungen / [Hrsg.: Gottlob Benjamin Jäsche]
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64
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64 Einleitung.

schicklichkeit überhaupt zu betrachten, aber nur in Fo r-malien, nicht dem Wesen und Zwecke nach. In derletzten, Bedeutung ist er ein Formalienklaub er;eingeschränkt in Ansehung des Kerns der Sachen, siehter nur auf das Kleid und die Schaale. Er ist die ver-unglückte Nachahmung oder Karrikatur vom me-thodischen Kopfe.- Man kann daher die Pcdan-terey auch die grüblerische Peinlichkeit und unnütze Ge-nauigkeit (Micrologie) in Formalicn nennen. Und einsolches Formale der Schulmethode außer der Schuleist nicht blos bey Gelehrten und im gelehrten Wesen,sondern auch bey andern Stauden und in andern Din-gen anzutreffen. Das Ceremonie! au Hvfen, ir»Umgange was ist es anders als Formalienjagdund Klauberey? Im Militair ist es nicht völlig so, obes gleich so scheint. Aber im Gespräche, in der Klei,düng, in der Diät, in der Religion herrscht oft vielPcdanterey.

Eine zweckmäßige Genauigkeit in Formalien ist 'Gründlichkeit (schulgerechte, scholastische Voll-kommenheit). Pedanterie ist also eine affectirteGründlichkeit, so wie Galanterie, als eine bloße Buhle-rinn um den Beyfall des Geschmacks, nichts als eine af-fectirte Popularität ist. Denn die Galanteric ist nurbemüht, sich dem Leser gewogen zu machen und ihn da-her auch nicht einmal durch ein schweres Wort zubeleidigen.

Pedsn-