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Immanuel Kants Logik : ein Handbuch zu Vorlesungen / [Hrsg.: Gottlob Benjamin Jäsche]
Entstehung
Seite
94
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94 Einleitung.

Da es, wie wir bemerkt haben, das Geschäftder Logik ist, klare Begriffe deutlich zu ma»chen: so fragt es sich nun: Auf welche Art siedieselben deutlich mache?

Die Logiker aus der Wolffischen Schule ftz,zen alle Dcutlichmachung der Erkenntnisse in die bloßeZergliederung derselben. Allein nicht alle Deutlichkeitberuht auf der Analysi'6 eines gegebenen Begriffs.Dadurch entsteht sie nur in Ansehung derjenigen Merk-male, die wir schon iu dem Begriffe dachten, keines-Weges aber m Rücksicht auf die Merkmale, die zumBegriffe erst hinzukommen, als Theile des ganzen mög-lichen Begriffs.

Diejenige Art der Deutlichkeit, die nicht durchAnalysis, sondern dnrch Synthesis der Merkmale ent-springt , ist die synthe tisch e Deutlichkeit. Und esist also ein wesentlicher Unterschied zwischen den beydenSätzen: Einen deutlichen Begriff machenund» einen Begriff deutlich machen.

Denn wenn ich einen deutlichen Begriff mache: sofange ich von den Theilen an und gehe von diesen zumGanzen fort. Es sind hier noch keine Merkmale vor-handen ; ich erhalte dieselben erst durch die Synthesis.Aus diesem synthetischen Verfahren geht also die syn-thetische Deutlichkeit hervor, welche meinen Begriffdurch das, was über denselben in der (reinen oderempirischen) Anschauung als Merkmal hinzukommt,

dem

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