Einleitung,
115
klug und vorsichtig geworden ist, wird ihn Nicht soschnell geben, aus Furcht, sein Urtheil in der Folgewieder zurücknehmen zu müssen. Dieser Widerruf istimmer eine Krankung und eine Ursache, auf alle andreKenntnisse ein Mißtrauen zu setzen.
Noch bemerken wir hier: daß es etwas anders ist, seinUrtheil in 6ubio, als, cö in luxpenso zu lassen. ' Bei)diesem habe ich immer ein Interesse für die Sache;bey jenem aber ist es nicht immer meinem Zwecke und In-tcresse gemäß zu entscheiden, ob die Sache wahr sei)oder nicht.
Die vorläufigen Urtheile sind sehr nothig, ja un-entbehrlich für den Gebrauch des Verstandes bey allemMeditircn und Untersuchen. Denn sie dienen dazu,den Verstand bey seinen Nachforschungen zu leiten undihm hierzu verschiedene Mittel an die Hand zu geben.
Wenn wir über einen Gegenstand mcditiren, müs.sen wir immer schon vorläufig urtheilen und das Er-kcnntniß gleichsam schon wittern, das uns durch dieMeditation zu Theil werden wird. Und wenn manauf Erfindungen oder Entdeckungen ausgeht, muß mansich immer einen vorläufigen Plan machen; fönst gehendie Gedanken bloß aufs Ohngefähr. — Man kannsich daher unter vorläufigen Urtheilen Maximen den-ken zur Untersuchung einer Sache. Auch Anticiva.tionen konnte man sie nennen, weil man sein Urtheilvon einer Sache schon anticipirt, noch ehe man da-Z
H 2 b>