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Immanuel Kants Logik : ein Handbuch zu Vorlesungen / [Hrsg.: Gottlob Benjamin Jäsche]
Entstehung
Seite
117
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Einleitung,

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theilen vorher gehen muß. Den» können wir auchmanche Erkenntnisse, z. V. die unmittelbar gewissenSätze, annehmen, ohne sie zu untcrsuchen, d. h.ohne die Bedingungen ihrer Wahrheit zu prüfen: sokönnen und dürfen wir doch über Nichts urtheilen,ohne zu überlegen, d. h. ohne ein Erkenntniß mitder Erkenntnißkraft, woraus es entspringen soll, (derSinnlichkeit oder dein Verstände) zu vergleichen. Neh-men wir nun ohne diese Uebcrlegung, die auch da nö-thig ist, wo keine Untersuchung statt findet, Urtheilean: so entstehen daraus Vorurthcile, oder Principienzu urtheilen aus subjcctiven Ursachen, die falschlich fürobjective Gründe gehalten werden.

Die Hauptquellen der Vorurtheile sind: Nach-ahmung, G e w o h n h e i t und N e i g u n g.

Die Nachahmung hat einen allgemeinen Einflußauf unsre Urtheile; denn es ist ein starker Grund, dasfür wahr zu halten, was Andre dafür ausgegebenhaben. Daher das Vorurtheil: Was alle Welt thut,ist Recht. Was die Vorurtheile betrifft, die ausder Gewohnheit entsprungen sind, so können sie nurdurch die Lange der Zeit ausgerottet werden, indemder Verstand, durch Tegengtünde nach und nach imUrtheilen aufgehalten und verzögert, dadurch allmäligju einer entgegengesetzten Denkart gebracht wird. Istaber ein Vorurtheil der Gewohnheit zugleich durchNachahmung entstanden: so ist der Mensch, der es be-sitzt,, davon schwerlich zu Heiken. -» Ein Vorurtheil

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