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Einleitung.
mung, entspringen nun so manche besondre Vorurthcile,unter denen wir folgende, als die gewöhnlichsten, hierberühren wollen. .
i) Vorurthcile des Ansehens. — Zudiesen ist zu rechnen:
s) das Vorurthei! des Ansehens der Per«son. —^ Wenn wir in Dingen, die auf Ersah-rung und Zeugnissen beruhen, unsre Erkenntniß aufdas Ansehen andrer Personen bauen: so machenwir uns dadurch keiner Vorurtheile schuldig; dcnuin Sachen dieser Art muß, da wir nicht Alles selbsterfahren, und mit unserm eigenen Verstände umfas-sen können, das Ansehen der Person die Grundlageunsrer Urtheile seyn. —» Wenn wir aber daS An-sehen Anderer zum Grunde unsers Fürwahrhaltcnsin Absicht auf Vernunftcrkenntnisse machen: fo neh-men wir diese Erkenntnisse auf bloßcs Vorurtheil an.Denn Vernunftwahrheitcn gelten a:'onymisch; hierist nicht die Frage: Wer hat es gesagt, sondernWas hat er gesagt? Es liegt nichts daran, ob einErkenntniß von edler Herkunft ist; aber dennoch istder Hang zum Ansehen großer Männer sehr gemein,theils wegen der Eingcschrankthcit eigner Einsicht,theils aus V-gicrde, dem nachzuahmen, was unsals Groß beschrieben wird. Hierzu kommt noch:daß das Ansehen der-Person dazu dient, unsrer Ei-telkeit auf eine indirekte Weife zu schmeicheln. Sowie nemlich die Unterthanen eines mächtigen Dcspo-
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