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Immanuel Kants Logik : ein Handbuch zu Vorlesungen / [Hrsg.: Gottlob Benjamin Jäsche]
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121
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Einleitung. i2i

ten stolz darauf sind, daß sie nur Alle Gleich vonihm behandelt werden, indem der Geringste mitdem Vornehmsten in so ferne sich gleich dünken kann,als sie beyde gegen die unumfchranktc Macht ihresBeherrschers Zcichts sind: so beurtheilen sich auch> die Verehrer eines großen Mannes als gleich, sofern die Vorzüge, die sie unter einander selbst habenwogen, gegen dk Verdienste des großen Mannesbetrachtet, für unbedeutend zn achten sind. Diehochgcpriesenen großen Manner thun daher demHange zum Vorurtheile des Ansehens der Person ausmehr als einem Grunde keine» geringen Vorschub.

b) Das Vorurtheil des Ansehens der Menge. »Zu diesem Vorurtheil ist hauptsachlich der Pöbelgeneigt. Denn da er die Verdienste, die Fähig-keiten und Kenntnisse der Person nicht zu beurthei-len vermag: so halt er sich lieber an das Urtheil derMenge, unter der Voraussetzung, daß das, wasAlle sagen, wohl wahr seyn müsse. Indessen bezichtsich dieses Vorurtheil bey ihm nur auf historischeDinge; in Religionssachcn, bey denen er selbst in-teressirt ist, verläßt er sich auf das Urtheil derGelehrte».

Cs ist überhaupt merkwürdig, daß der Unwissen«de ein Vorurtheil für die Gelehrsamkeit hat und derGelehrte dagegen wiederum ein Vorurtheil für dengemeinen Verstand.

Wenn