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Immanuel Kants Logik : ein Handbuch zu Vorlesungen / [Hrsg.: Gottlob Benjamin Jäsche]
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Einleitung.

müssen sie ponderirt, d. i. nach der Wirkung gc-schätzt werden; diese aber nach der Überwältigung derHindernisse im Gemüthe. Letztere geben kein Verhalt,niß zur Gewißheit, sondern nur einer Scheinbarkeitzur andern. Hierausfolgt: daß nur der Mathe,matikcr das Verhältniß unzureichender Gründe zum zu.reichenden Grunde bestimmen kann; der Philosoph mußsich mit der Schcinbarkcit, einem bloß fuüjcctiv undpractisch hinreichenden Fürwahrhaltcn begnügen. Dennim philosophischen Erkenntnisse laßt sich wegen der Un-gleichartigkeit der Gründe die Wahrscheinlichkeit nichtschätzen; die Gewichte sind hier, so zu sagen, nichtalle gestempelt. Von der mathemati schei. Wahr-scheinlichkeit kann man daher auch eigentlich nursagen: daß sie mehr als die Hälfte der Ge-wißheit sey.'

Man hat viel von einer Logik der Wahrscheinlich-keit (loZlL-l xrodabiüum) geredet. Allein diese ist nichtmöglich; denn wenn sich das Verhältniß der unzurei-chenden Gründe zum zureichenden nicht mathematischerwägen laßt: so helfen alle Regeln nichts. Auchkann man überall feine allgemeine Regeln der Wahr-scheinlichkeit geben, außer daß der Irrthum nicht aufeinerley Seit'e treffen werde, sondern ein Grund derEinstimmung seyn müsse im Object; ingleichcn: daß,wenn von zwey entgegengesetzten Seiten in glei-cher Menge und Grade geirrt wird, im Mitteldie Wahrheit sey.

Zweifel