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Immanuel Kants Logik : ein Handbuch zu Vorlesungen / [Hrsg.: Gottlob Benjamin Jäsche]
Entstehung
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129
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Einleitung. 129

Zweifel ist ein Gcgcngrund oder ein bloßesHinderniß des Fürwahrhaltens, das entweder fub^jectiv oder objectiv betrachtet werden kann. »»Snbjec-tiv neinlich wird Zweifel bisweilen genom-men als ein Zustand eines unentschlossenen Gemüths,und objectiv als die Erkenntniß der Unzulänglichkeitder Gründe zum Fürwahrhalten. In der letztern Rück-sicht heißt er ein Einwnrf; das ist: ein objectiverGrund, ein für wahr gehaltenes Erkenntniß für falschzu halten.

^Ein bloß slibjcctiv gültiger Gegengrund des Für-wahrhaltens ist ein Skrupel. Beym Skrupelweiß man nicht: ob das Hinderniß des Fürwahrhal-tenS objectiv oder nur subjectiv, z. B. nur in der Nei-gung, der Gewohnheit u. dgl. m> gegründet sey. Manzweifelt, ohne sich über den Grund des Zwcifclns deut-lich und bestimmt erklaren und ohne einsehen zu können:ob dieser Grund im Object selbst oder nur im Subjecteliege. Sollen nun solche Skrupel hinwcggcnom-men werden können: so müssen sie zur Deutlichkeit undBestimmtheit eines Einwurfs erhoben werden. Denndurch Einwürfe wird die Gewißheit zur Deutlichkeitund Vollständigkeit gebracht, und ke-incr kann von einerSache gewiß seyn, wenn nicht Gegcngründe rege ge-macht worden, wodurch bestimmt werden kann: wieweit man noch von der Gewißheit entfernt, oder wienahe man-derselben sey. Auch ist es nicht genug:daß ein jeder Zweifel bloß beantwortet werde; man

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