die zur Zeit der franzoͤſiſchen Invaſion den wackern Guerillas ſichere nie eutdeckteFreyſtaͤtten boten. Paris, den 22. Dez.
Die Beſtandtheile des neuen Miniſteriums befriedigen beynahe alle Erwar-tungen des ſtrengſten Ultra⸗Royalismus, aber nicht der Mehrheit der Franzoſen.Man urtheilt insgemein uͤber die politiſchen Faͤhigkeiten der neuen Miniſter nichtbeſonders guͤnſtig. Die Ernennung einiger von ihnen hat ſogar das große Publi-kum auffallend gefunden. So fragt man ſich beſfonders, welche Anſpruͤche HerrPeyronnet auf eine Miniſterſtelle gehabt habe. Manche behaupten, daß Herr deSerre, der ſich in ſeiner Stelle gern vermißt ſehen moͤchte, dieſen Kandidaten zumJuſtizminiſter vorgeſchlagen habe. Man iſt der Meynung, daß die Liſte des neuenMiniſteriums bey Hof gefertigt worden ſey. Man ſchreibt ſie beſonders den Herrnvon Duras, Damas⸗Crux und Alexis de Noailles zu. Der Koͤnig ſoll demAndrang dieſer Partey nur mit Widerwillen und zoͤgernd nachgegeben haben. Manerzaͤhlt ſich, daß neulich Se. Majeſtaͤt, auf dieſe Ihre perſoͤnliche Geſinnung an-ſpielend, ſcherzweiſe ſagte: „Es freut mich, nun doch zu ſehen, wie man nachmeinem Tode regieren wird.“ Nach der Natur der repraͤſentativen Regierungsformfuͤhrt ein Miniſterwechſel immer den Wechſel des Regierungsſyſtems mit ſich. EineFolge davon iſt die Abſetzung vieler alter Beamten, die dem neuen Syſtem nichtzuſagen. Ueber das politiſche Syſtem des neuen Miniſteriums laͤßt ſich noch nichtviel ſagen. Darinn, daß es den Entwurf des neuen Zenſurgeſetzes zuruͤck nahm,hat es konſequent gehandelt. Es verſpricht dem Buchſtaben und Geiſt der Chartegemaͤß volle Preßfreyheit. Dagegen will es die Zeitungen mehreren Formalitaͤ-ten unterwerfen. Man hat die Sitzungen der Kammer auf einige Tage eingeſtellt,damit das Miniſterium ſich zuvor orientiren, und einen Ueberblick uͤber ſeine po-litiſche Stellung erhalten kann.— Hier einige Notizen uͤber die neuen Miniſter.Die Herren von Villele und Corbieres werden zwar fuͤr geſcheute und biedere Maͤn-ner, aber fuͤr keine umfaſſende Koͤpfe gehalten. Dem Heern v. Villele ſchreibt maneine ins Kleine hinaus laufende Zirkonſpektion zu, die eben keine wahre Umſicht ſey,ſondern der Zaghaftigkeit verwandt ſcheine; den Herrn v. Corbieres wirft man ei-nen etwas einfeitigen Eifer vor. So viel iſt gewiß, daß Villele praktiſchen Ver-ſtand in nicht gemeinem Grade beſitzt, daß er vielleicht einen noch tuͤchtigern Mini-ſter des Innern als der Finanzen abgeben wuͤrde. Corbieres hat rhetoriſche Schaͤr-fe, Ironie und Klugheit auf der Tribune; doch beſitzt keiner von Beyden eigentlicheRednergaben. Herr Peyronnet iſt ein Mann des rechten Zentrums, mit ſtarkerAnnaͤherung an die royaliſtiſche Rechte gewoͤhnlichen Schlages. Graf ClermontTonnere, der Marineminiſter, gehoͤrt zur Partey der Kardinaliſten in der Pairskam-mer, die alle im rechten Zentrum ſitzen. Er iſt in der politechniſchen Schule ge-bildet, ein kluger, gemaͤßigter und biederer Mann, ob er politiſchen Takt beſitzt, iſtgaͤnzlich unbekannt. Marſchall Viktor erſetzt vollkommen Herrn v. Latour-Mau-bourg, und Herr von Latour⸗Maubourg wuͤrde vollkommen den Marſchall Viktorerſetzen. Beyde ſind uͤbrigens redliche Royaliſten. Der Vicomte Montmorency iſt einZoͤgling des Abbe Syes, und wurde von ſeinem Lehrer in die erſten Orgien derRevolution hinabgeriſſen; er beſann ſich aber ſpaͤter, beurkundete auf alle Weiſefeine Reue, beobachtete waͤhrend ſeiner Emigration, und unter Bonapartes Re-gierung— unter die er ſich niemals gebogen,— ein edles Betragen, und waraußerdem noch bekannt als genauer Freund der Frau v. Stael, und ihrer Freun-din Frau v. Recamier. Seit 1814 war Herr v. Montmorency in allen royaliſtiſchenBewegungen der Kammern innig verflochten. Er iſt ein ſehr religioͤſer und wohl-thaͤtiger Mann, und hat in mehreren Reden und Berichten gezeigt, daß es ihman Verſtand nicht mangelt, und daß er auch einige eigene Ideen beſitzt,
London, den 19. Dez.Der Koͤnig will das Parlament in Perſon eroͤffnen, und es werden bereits