Beilage 
(24.1.1822) 21 [Beilage]
 
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Nro. 22. Frcytag, den 25. Jan. Anno 1822.

AugsburgischeOrdinariPoftzeitung

Von Staats, gelehrten/ historisch- u. ökonomischen Neuigkeiten.

Mir allerhöchsten 5 ?- - ^ / / e ^ ?' e

Redakteur: E. Frhr. v. Seida. Gedruckt u. verlegt von Joseph Anton Moy,,wohnhaft auf dem obern Graben in dem sogenannten Schneidhaus.

, Wien , den is. Jan.

Der österreichische Beobachter schreibt: In Konstantinopcl und den Umgebun-gen ist die Ruhe neuerlich durch nichts gesiörc worden, und es geht Jedermann,Muselmann und Christ, seinen Berufsgeschäfften nach. Doch fand am 20. Dez.ein in seiner Art merkwürdiger Auftritt hier Statt, wobey die türkischen Studen-ten die handelnden Personen waren. Bekanntlich wird in Konsiancinopel eine gro-ße Anzahl junger Leute (manschatzt sie aufmehrcre Tausend) in den bey den Moscheengestifteten Unterrichtsaustalten (Medresse's) erzogen, und zu künftigen Legisten ge-bildet. Die, welche zur Moschee Sultan Mahomcd II. gehören, genoßen stetsdie meisten Vorzüge, und sind alö besonders eifrige Anhänger des Jsmalism bekannt.Einer ihrer Lehrer, ein durch seine Gelehrsamkeit ausgezeichneter Mann, wurdejüngst, wegen unbescheidenen Aeußerungen über gewisse Maaßregeln der Negierung,verbannt. Als die Studenten es erfuhren, rotteten sich einige Hundert, die baldnachher bis auf 2000 anwuchsen, zusammen, zogen vor den Pallasi des Mufti,und verlangten mit Ungestüm die Zurückbernfung des Lehrers. Um zu zeigen, daßsie keine Gewaltthätigkeit verüben wollten, hatte» sie ihre Waffen abgelegt, unddagegen den Koran und andere Lehrbücher in den Gürtel gesteckt. Nichts desto we-niger veranlaßte ein so großer Auflaufeinige Unruhe, und eine beym Mufti ange-kündigte Rathsvcrsammlung unterblieb. Der Großwesir aber, der mit seinen Wa-chen herbeyeilre, stellte schnell die Ordnung wieder her, und die Studenten gien-gen, mit der Hoffnung, daß der abgesetzte Muderri ihnen nächstens wieder gege-ben werden sollte, friedlich aus einander.

Am 19. Jan. war hier der Mirrelprcis der Staatsschuldverschreibungenvom Jahre 1816 zu 5 Prozent in Silbeimünze 74 ?s8; der iprozenrigcn Obliga-tionen --; der Hoflammer-Obligationen vom Jahre 1815 zu 2 is2 Pro-zent --; der Wiener Stadt - Banko - Obligationen zu 2 iss Prozent 35 is2;

dcrCursauf Augsburg 99 is3 Uso; Konvemions. M. 249 ?s3; Bankaktien 648;Nothschildische 100 fl. Loose 114; Partialobl. 94 Zf4; Zertifikate 94?ss.

Von der Donau , den 16. Jan.

Ueber die Verhandlungen der auswärtigen Gesandten mit dem Divan läßt sichwenig Zuversichtliches sagen; so viel ist gewiß, daß die Pforte dem Befehlshaberin der Moldau und Wallachey befohlen hat, sich zum Rückzug zu bereiten, und sicheinstweilen an der Donau zu konzentriren. Der Neis-Effendi handelt mit der größ-ten Schonung, und zeigt einige Nachgiebigkeit; dennoch ist die gänzliche Annahmedes russischen Ultimatums noch nicht zu erwarten, da die Stimme des Volks undbesonders derJanitscharen, die es für eine der größten Beschimpfung halten, diehohe Pforte in einer gehorchenden Stellung zu erblicken) sich zu sehr und zu lautdawider ausspricht. Man erzählt auch, die türkische Negierung hätte die Klagegeführt, daß man in ganz Europa ohne Schwierigkeiten vielen Individuen erlaube,sich bewaffnet nach Griechenland , inder Absicht, dortden Halbmond zu bekämpfen,einzuschiffen, einBetragen, welches keine friedliche Gesinnungen zeige. Man er-