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Vom Menschen : Versuch einer geistwissenschaftlichen Anthropologie / Werner Sombart
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Sklaverei im feinsten Sinne vorbereiteten Typus hinaus; doch dadurch wirdder starke Mann um so stärker geraten können; denn jene Demokratie seizugleich eine unfreiwillige Veranstaltung zur Züchtung von Tyrannen, dasWort in jedem Sinne verstanden, auch im geistigen.

Diese Aufstiegstheorie mit der Devise: Fortschritt durch Mi-schung! ist dann (ohne den Zusatz der Übermenschentheorie) von vielenandern Schriftstellern vertreten worden, meist in der allgemeineren Fas-sung, in der sie nicht auf die Zukunft beschränkt bleibt, sondern auf diegesamte Geschichte angewandt werden kann.

Der öfters genannte L. Gumplovicz, der überallGesetze sieht, hatauch diese Theorie in die Form einesGesetzes gebracht, das also lautet 207 ):ohne Rassenverschmelzung gibt es keine Kultur und keine Zivilisation.Ein Anhänger dieser Theorie war auch H. St. C li a m b e r 1 a i n, der diereine Rasse ebenfalls in die Zukunft verlegt.

Auch in unserer Zeit vernehmen wir ähnliche Ansichten; ein gutes Beispiel:Wenn sich Menschengruppen äußerlich und innerlich im Laufe von Gene-rationen auf eine bestimmte Umwelt hin spezialisieren, so entstehen Rassen.Im Anfang war nicht die Rasse und dann die Allvermischung, wie die land-läufige Rassenvorstellung meint, sondern umgekehrt: Rassen sind End-formen, spezialisierte Ausläufer. Der Volksbildungsprozeß stützt sich nichtauf das Material einer (Erb-) Rassenform, sondern im Gegenteil: er findetseinen Schwerpunkt in Blutaustauschzonen: das deutsche Volk z. B. ist nichtgebildet aus Nordgermanen und Schweden usw., sondern aus Nordgermanenund (rassefremden) Süddeutschen usw. 208 ).

Diese Aufstiegstheoretiker, die allen Fortschritt der Vergangenheit, Gegen-wart und Zukunft von der Hebung der Völker durch Rassenmischung ab-leiten, gründen ihre Meinungen einerseits auf die Erfahrungen, die die Tier-züchter mit ihren Kreuzungen verschiedenrassiger Tiere gemacht haben:.alle Edel-Pferde, -Rinder, -Hunde usw. sind bekanntlich durch Mischungverschiedener Rassen zustande gekommen; andererseits auf die nicht seltenbeobachteten Fälle, in denen auch die Kreuzung verschiedener menschlicherRassen (besser: Völker), zu guten Ergebnissen geführt hat: sie weisen aufdie Griechen und die Römer, auf die mittelalterlichen Hochkulturen und aufdie europäischen Kulturnationen hin, die sämtlich Mischvölker sind. Sieweisen aber auch auf die zahlreichen Talente und Genies hin, die ausMischungen sogar sehr verschiedener Rassen hervorgegangen sind:BookerWashington! Dumas pöre! Puschkin!, die alle dreiein Negerelter hatten. Während Kretschmer 209 ) gezeigt hat, daß inMitteleuropa die meisten genialen Menschen auf einer Kreuzung zwischennordischer undalpiner Rasse beruhen.