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II. Die Sturm- und Drangjahrc von 1848—1850
daß das polnische Volk durch die bisher erteilten Konzessionen nicht be-friedigt sei. Er verlangte vermehrte Unabhängigkeit des GroßherzogtumsPosen, damit es „sich unter preußischer Oberhoheit im polnisch-nationalenSinne, bei hinreichender Berücksichtigung des deutschen Elements, frei or-ganisieren und entwickeln könne". Gleichzeitig nahm der kommandierendeGeneral des V. Armeekorps, v. Colomb, aus dem Geschehenen Anlaß,Willisen zum Verlassen der Provinz aufzufordern. Nach dessen Abreisewehte auf militärischer Seite ein frischerer Wind. Bei den in nächsterZeit erfolgenden Zusammenstößen wurde von den Truppen mit mehr Nach-druck verfahren, so namentlich bei Graetz, wo die Polen an 100 Tote undVerwundete verloren haben sollen.
Am 26. April entschloß sich General v. Colomb zu dem Befehl, die inihren Lagern stehenden Insurgenten zum Auseinandergehen aufzufordernund sie auseinanderzutreiben, falls dieser Ausforderung nicht Folge ge-geben würde. Die Durchführung dieses Befehls führte zu Gefechten, derenErwähnung wert ist; denn auf polnischer Seite dachte man nicht mehrdaran, den warnenden Ermahnungen eine Bedeutung beizumessen.
Das Gefecht von Xions am 29. April ^8^8(S. Skizze 2)
Es standen damals in der Gegend der mittleren Warthe drei polnischeLager bei Neustadt, Miloslaw und Nons. Ihnen gegenüber war dasmobile Korps jetzt in zwei Gruppen geteilt, nämlich bei Schrimm eine ge-mischte Brigade unter dem kriegserfahrenen Obersten v. Brandt, der inSpanien, Rußland und in den Freiheitskriegen gefochten hatte, und beiSchroda eine etwas schwächere Abteilung unter General v. Blumen. Dieerste sollte am 27. April nach Nons vorgehen, dort aufräumen, dann amfolgenden Tag die Warthe bei Neustadt überschreiten und am 29. mit denTruppen des Generals v. Blumen gemeinsam Miloslaw nehmen, wo Mieros-lawski selbst den Oberbefehl über die Aufständischen führte.
Leider verspätete sich das Vorgehen des Obersten v. Brandt um zweiTage. Die Nachricht, daß sich mehrere Deutsche in Nons in der Gewaltder Polen und in Gefahr befänden, veranlaßte ihn, zunächst deren Frei-gabe zu fordern, die hochmütig abgelehnt wurde. Am 28. blieb er stehen,weil er die Meldung erhielt, daß noch 2000 Sensenmänner im Anzügeauf Xions seien. Er dachte, den Schlag durch gleichzeitige Vernichtungdiefes Zuzuges für die Polen besonders empfindlich zu machen, und ver-schob den Angriff deshalb auf den 29. April. Dann wurde er geschickteingeleitet.