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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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Scheitern des dänischen Gegenangriffs

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Inzwischen waren auf dem Hauptkampfplatze, nach stundenlangem Jn-fanteriegefecht, die Preußen in das Pulverholz eingedrungen. Der Feindaber setzte sich im Park von Annettenhöhe fest. Einzelne Abteilungen er-oberten auch diesen; dänische Gegenangriffe verdrängten sie wieder, das Park-haus wurde heiß umstritten. Die gegen 3 Uhr angekommeneu holsteinischenTruppen griffen an verschiedenen Punkten ein, ohne daß es zur Entschei-dung kam. Den rechten Flügel hielt das Feuer vou Schloß Gottorf auf.

General v. Hedemann glaubte den Augenblick zu einem Gegenangriffgekommen. Er hatte die 2. Brigade aus ihrer Stellung hinter dem Tier-garten an das Flankenkorps herangezogen. Sie sollte auf dem HusbyerWege die Angreifer umfassen, das Flankenkorps gleichzeitig in der Frontvorgehen. Die falsche Nachricht von der Besetzung von Altstadt durcheinen über die Schlei gelangten Feind veranlaßte eine vorübergehendeRäumung des Schlosses Gottorf und infolgedessen auch einen Aufenthaltin dem Vorstoß. Dann begann dieser vom Pulverholz, von der Annetten-höhe uud auch vom Schurberge aus. Die allerdings nur sehr schwache2. Brigade wurde hineingezogen. Dennoch scheiterte der Versuch vollständig.Den Dänen, die sich in der Verteidigung stets tapfer schlugen, fehlte dasGeschick und die Festigkeit zum Angriff. Die Preußischen Truppen folgtenden Zurückgewiesenen auf dem Fuße.

Jetzt, um 6 Uhr abends, ertönte endlich auch Kanonendonner von Husby her, wo General v. Bonin mit den bei ihm gebliebenen Truppen ange-kommen war und auf die dänische Kavalleriebrigade stieß.

Nach kurzer Kanonade uud Schützengefecht auf beiden Seiten drangendie Preußen in das Dorf ein. Beim Abfahren geriet die dänische Ar-tillerie in Gefahr, genommen zu werden. Eine Dragonerschwadron warfsich entschlossen den Preußen entgegen und rettete die Geschütze. Sie selbstkam aber in der Dorfstraße der preußischen Batterie Petzel zu nahe, derenFührer, nicht minder entschlossen, sich ihr mit den berittenen Artillerie-mannschaften entgegenwarf. Dann fuhr seine Batterie nördlich Husby aufund kanonierte gegen den Schurberg.

Der Flankenstoß des Generals v. Bonin, obschon er nur mit schwache»Kräften geführt wurde, bestimmte den dünischen Oberbefehlshaber dennochzum Rückzüge, gerade als auch der Schurberg in Gegenwart des komman-dierenden Generals von den Preußen in der Front angegriffen werdensollte. So war General v. Bonin für das unverdiente Mißgeschick, dasihn während des Vormarsches getroffen, wenigstens einigermaßen entschädigtworden. Sein Erscheinen verfehlte den Eindruck, nicht, weil er den Gegneran der für ihn gefährlichsten Stelle traf.